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Quellenverzeichnis: G. Klosinski: Warum Bhagwan?



Gunter Klosinski: Warum Bhagwan - Auf der Suche nach Heimat, Geborgenheit und Liebe

Kösel-Verlag, 1985, ISBN 3-466-30274-9



1. Kurzbeschreibung

2. Leseprobe



1. Kurzbeschreibung

Die Zahl der Anhänger Bhagwans nimmt laufend zu. Warum fühlen sich so viele zu ihm hingezogen, welche Faszination geht von ihm aus? Gunther Klosinski versucht in diesem Buch, den individuellen Weg und Prozeß religiöser Bekehrung mittels biographischer Interviews nachzuzeichnen. Seine Ausgangsfrage: welche Personen finden unter welchen Bedingungen zu dieser Bewegung? Entstanden ist ein Buch, das über tiefergehende Hintergründe informieren und Vorurteile abbauen will. Es weist sowohl auf die bereichernden Aspekte als auch auf die fragwürdigen Auswirkungen durch den Beitritt hin. Der Autor wendet sich deshalb an alle, die das Phänomen der neureligiösen Bewegungen aufmerksam verfolgen und um eine sachliche Diskussion bemüht sind


2. Leseprobe

...im Gegensatz zur Poona-Ära zeigt heute die Neo-Sannyas-Bewegung alle Merkmale einer gut durchorganisierten religiösen Sekte mit »offizieller Lehrmeinung«.

Auch weiterhin muß aus der Sicht des Autors zwischen solchen Rajneesh-Anhängern unterschieden werden, die nach ihrer Initiation in ihrem erlernten Beruf weiterarbeiten und solchen Mitgliedern, die den Beruf aufgegeben haben, in einer Sannyas-Kommune leben und von dieser dadurch abhängiger sind.19 Bei der bestehenden Arbeitslosigkeit auch unter Akademikern hat es den Anschein, als ob die Ausrichtung der Sannyas-Kommunen auf den»Broterwerb« hin all jene Sannyasins wieder in eine Arbeitswelt einbindet, die noch vor Jahren, bedingt durch eine Ideologie des »Sich-Treiben-Lassens«, den Boden unter den Füßen zu verlieren drohten.

Bhagwan, den ich als »enfant terrible« oder als »Till Eulenspiegel« unter den Indischen Gurus bezeichnen möchte, der sich durch sein Erleuchtungserlebnis vor dem geweissagten Tod selbst errettete, profitierte in den vergangenen Jahren von der zunehmenden Arbeitslosigkeit der Jungakademiker und einer Endzeitkatastrophenstimmung angesichts eines möglichen atomaren Holocaust. Dieser äußeren Bedrohung setzte Rajneesh die Vedanta-Philosophie der Selbsterlösung entgegen und gab die Parole vom auserwählten Volk aus: »Was ich aber mit absoluter Sicherheit sagen kann, ist, daß diejenigen, die überleben werden, Rajneeshies sein werden. Die übrigen werden Affen sein oder Selbstmord begehen. Aber auf die übrigen kommt es nicht an« (Sheela 1983, S. 65).

Muß nicht in den Augen seiner Anhänger der uns alle bedrohende atomare Overkill als Wiederholung und Widerschein der drohenden Vernichtung des »Meisters« im 21. Lebensjahr erscheinen? Seinen Jüngern hat Bhagwan vorgelebt, wie man solch einer existentiellen Bedrohung begegnet u
nd wie man sie bewältigen kann: man werde erleuchtet und befinde sich damit außerhalb seines Körpers jenseits von Leben und Tod.Unabhängig von der Frage, ob Rajneesh vor seinem Erleuchtungserlebnis eine Psychose hatte oder nicht - manches spricht dafür, daß es psychotisch war - kommt es darauf an, was seine Anhänger in ihm sehen, wofür sie ihn halten, ihn, den Grenzgänger, der sich als Spiegel für seine Sannyasins anbieten will.

Was macht jeder einzelne Sannyasin aus ihm? Das Aufzeigen der unterschiedlichen Konversionsformen sollte eine Antwort auf diese Frage geben. Was wird aus der »verrückten Liebesbeziehung« - um nochmals eine der vielen Bhagwan-Definitionen seiner Initiation zu gebrauchen - der Rajneeshies zu ihrem »Meister« werden? Wird diese Beziehung vom »Meister« mißbraucht? Soll mit dem Aufbau von Groß-Ashrams die Vision Bhagwans vom »Neuen Menschen«, von der »Neuen Familie« realisiert werden? Die Aussage mancher, in dieser Untersuchung interviewten Sannyasins, es käme lediglich auf die Beziehung an, die jeder einzelne zu Bhagwan entwickle, müßte meiner Meinung nach von den Betroffenen angesichts der jetzigen Entwicklung neu durchdacht werden. Denn mehr und mehr wird auf die Bedeutung der Gemeinschaft der Sannyasins abgehoben. Auch wird sich zwangsläufig mit dem Aufbau von größeren Ashrams eine Hierarchie ausbilden, wie sie bislang nicht notwendig und denkbar war. Mit der Wende hin zu Großgruppen und zur Ausrichtung auf entsprechend lukrative Arbeitstätigkeiten scheint sich auch ein neuer Anhängerkreis zu erschließen: neben den bisherigen Mitgliedern der Gründerjahre (bis zur Auflösung Poonas), die vorwiegend aus dem pädagogisch-therapeutischen Arbeits- und Berufsfeld kamen, sind es jetzt auch junge Erwachsene aus anderen Tätigkeitsbereichen, die zu Bhagwan stoßen. Für sie ist offensichtlich eine Psychotherapievorerfahrung nicht die Leitschiene, die hin zum »Meister« führt.

Man darf gespannt sein, welche weitere Entwicklung die Neo-Sannyas-Bewegung noch zu Lebzeiten ihres Führers nehmen wird. Mit seinem Tode müßte sich die Bewegung logischerweise auflösen, da laut Bhagwan »echte, lebendige Religiosität« nur möglich ist in der Beziehung zu einem lebenden Meister. Oder sollte es bis dahin einem Sannyasin gelungen sein, die eigene Buddhaschaft zu erreichen und dies den übrigen Rajneeshies plausibel zu machen, ohne daß ein Konkurrenzdenken aufkommt?  Einfacher wäre es, Bhagwan würde noch zu Lebzeiten einen Nachfolger bestimmen und ihn zum neuen, lebenden Buddha erklären. Diese Möglichkeit hat sich Chandra Mohan eigentlich selbst verbaut, da er wiederholt betonte, die Chance mit einem lebenden Buddha (mit ihm) zusammenzutreffen, ergäbe sich lediglich alle 2500 Jahre.

Oder hat Rajneesh mit dieser Aussage etwas gesagt - wie so oft -, das er gar nicht so gemeint hat? Man erinnere sich: im März 1981 (Rajneesh Newletter, deutsche Ausgabe, März 1981, 112, S. 4) sagte der Meister zu seinen Jüngern noch, kurz bevor er in die Phase des Schweigens eintrat: »Macht euch also nicht zu viele Gedanken über das, was ich in meinen früheren Werken gesagt habe. Ich habe vieles gesagt, was ich nicht meine! Was ich heute sage, kommt der Wahrheit näher, als was ich gestern gesagte habe.«Seit es den Rajneeshismus gibt, gibt es endlich die immer gültige Wahrheit (Rajneeshismus von Ma Anand Sheela, S. 63, deutsche
Ausgabe): »Ich (Bhagwan) bin alle Wege gegangen und habe die Wahrheit durch alle Fenster gesehen. Das, was ich heute sage, wird immer gültig bleiben, weil ihm nichts mehr hinzugefügt werden könnte.« .......


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Bearbeitungsstand: 28.06.2009


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