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Pia Thomas - Geistheilung - Unfassbare Zustände und Auswirkungen
Elke Hergenröther / 29.05.2011 / Quelle: Ratgeber-News-Blog
Wie wir wissen, boomt der Esoterik-Markt unaufhaltsam. Dass auch noch der größte Irrsinn und schwachsinnigste Theorien und Methoden, wie z.B. die Aura-Chirurgie, in der Gesellschaft Anerkennung finden, bzw. mittlerweile Mainstream sind, haben wir einerseits dem NICHT vorhandenen Psycho-Markt-Verbraucherschutz, der weltweit einmaligen gesetzlichen Regelung des Nicht-Berufs „Heilpraktiker“ und andererseits der zum größten Teil völlig unseriösen Präsentation von Esoterik in den Medien zu verdanken. Dieser Beitrag verdeutlicht auf eindringliche Weise die Problematik der aktuellen Esoterikszene.
Wie wir wissen, boomt der Esoterik-Markt unaufhaltsam. Dass auch noch der größte Irrsinn und schwachsinnigste Theorien und Methoden, wie z.B. die Aura-Chirurgie, in der Gesellschaft Anerkennung finden, bzw. mittlerweile Mainstream sind, haben wir einerseits dem NICHT vorhandenen Psycho-Markt-Verbraucherschutz, der weltweit einmaligen gesetzlichen Regelung des Nicht-Berufs „Heilpraktiker“ und andererseits der zum größten Teil völlig unseriösen Präsentation von Esoterik, alternativen Heilmethoden, Heilern, etc. in den Medien zu verdanken . Kritische Auseinandersetzungen mit der Thematik sind auch im TV eine Seltenheit und somit laufen die meisten Berichterstattungen darauf hinaus, Volksverdummung zu betreiben und die Apologeten der Esoterik-Abzocke zu bewerben. Dass ausgerechnet in Deutschland, einem Staat, der nahezu für alles Regularien festlegt, vom Entfernen der Hundescheiße im Freien, bis zur Fahrradhelmpflicht, die Quacksalberei im Gesundheitswesen unbegrenzte Entfaltung finden kann, ist unbegreiflich. Gründe dafür lassen sich jedoch in der ausgezeichneten Lobbyarbeit homöopathischer und anthroposophischer Anhänger und Anbieter in Politik und Wirtschaft finden.
Waren es noch vor einigen Jahren ausschließlich die GRÜNEN, die sich für die Unterstützung und Verbreitung unwissenschaftlichster Methoden stark gemacht haben, zieht sich die naive Anerkennung und Lobbyarbeit längst durch alle Parteien. Der Trend in der praktischen Gestaltung des Lebens setzt auf natürlich, ökologisch, biologisch, alternativ und sanft. Das Ablehnen von Hochtechnologie, die nicht „handle-bar“ und somit risikobehaftet ist, wird 1:1 auf den technisierten Medizinbetrieb und die Pharmazie übertragen.
Hier lauert das Risiko der Nebenwirkungen, der Fehldiagnosen und der Fehlbehandlungen, bzw. die große Gefahr, dass „schulmedizinische“ Maßnahmen erst richtig krank machen. Dass bei dieser gesellschaftlich-kollektiven Gesinnung, alternativ-esoterische Heilmethoden nicht mehr wegzudenken sind, erübrigt sich zu erwähnen. Der Irrsinn hat sich längst in den Hirnen manifestiert.
Auf Kritik an den unwirksamen Methoden, die bestenfalls einen Placebo-Effekt mit sich bringen, wird sofort mit Pharmabashing gekontert. Die Gewinnsucht, Geldgier und die vielen Kranken und Toten, die der Medizinbetrieb und die Pharmaindustrie auf ihrem Gewissen hätten, gelten als Standardargumentation.
Mit Logik hat das natürlich nichts zu tun, das will man aber nicht wahrhaben. Mal ein analoges Beispiel:
Anhänger der sogenannten Lichtnahrung sind davon überzeugt, ohne Essen und Trinken leben zu können. Dies ist immer noch eine Abartigkeit, die im Verhältnis relativ wenig Gehör findet und würde man diesen Leuten auf den Kopf zu sagen, dass ihr Licht in Bezug auf die Ernährung unwirksam ist und man würde darauf als Antwort erhalten, dass die gesamte Nahrungserzeugung nur auf Profit aus sei und Menschen vergifte und töte, was wäre wohl die Reaktion von unseren Pharmabashern?
Die meisten würden wohl doch sagen, dass man ohne Essen und Trinken unweigerlich früher oder später stirbt und dass es unlauter ist, zu behaupten, dass alles Essen Gift sei und jeder Gemüsebauer nur an Profit denke.
Zurück zum eigentlichen Thema:
Kritik an der Rechtslage zu Esoterik & Co erntet ebenfalls eine Standardantwort. „Der Verbraucher sei schließlich mündig und könne sehr wohl erkennen, differenzieren und selbst entscheiden. Eine Bevormundung bräuchte es dabei nicht.“
Tja, anhand der wachsenden Anzahl von Menschen, die sich als esoterische Missbrauchsopfer outen, dürfte es eindeutig sein, dass man der Sachlage nicht gerecht wird. Psychischer und finanzieller Schaden einerseits, andererseits Todesopfer durch unhaltbare Versprechungen und den Versuch Menschen von effektiv-medizinischen Behandlungen abzubringen.
Jetzt ist es ja immer noch ein Leichtes zu sagen, dass man selbst schuld sei, wenn man so blöd ist, sich auf Entsprechendes einzulassen. Oder, wie einstimmig aus der Insider-Eso-Szene zu vernehmen, dass es wie in jeder Branche auch hier schwarze Schafe gebe. Letzteres lassen wir sowieso nicht gelten, denn unwirksam ist und bleibt unwirksam, dazu bedarf es keiner weiteren Erläuterung.
Das „selber schuld“ Argument hat für die meisten Menschen dort eine Grenze, wo es um Leben und Tod geht. Wer austherapiert wurde, ergreift jeden Strohhalm, der sich bietet und erst recht, wenn es nicht um die eigene Person geht, sondern um nahe Angehörige und ganz besonders, wenn es Kinder betrifft. Dafür sollte man Verständnis haben.
Unsere oberschlauen Eso-Lobbyisten und Gesetzeshüter sind jedoch davon überzeugt, dass es doch gar niemanden im alternativen Heilbereich geben könne, der sich an schwerste Krankheiten, wie z.B. Krebs, herantraue und wenn, dann nur unterstützend, ergo komplementär, alles andere würde doch niemand tun, denn selbst Geistheiler müssten ihre Klientel darüber aufklären, dass ihre Behandlung keinen Arzt oder Heilpraktiker ersetze.
Erfolgsversprechungen dürfe sowieso niemand machen, auch der Heilpraktiker nicht, und letztendlich, da gäbe es auch noch das Heilmittelwerbegesetz, welches dies und noch viel mehr regle. Auch das Verbot von persönlichen Erfolgsberichten zur eigenen Bewerbung. Was die Praxis betrifft, kann man dazu sagen, wo kein Kläger, da auch kein Richter und wo ein Kläger, da schmettern überlastete Gerichte die entsprechenden Anzeigen ab. Fernheilungen sind ebenfalls verboten und werden theoretisch mit Geldstrafen bis 50 000 Euro geahndet. Rein theoretisch, denn praktisch kann so gut wie nichts passieren, ansonsten gäbe es die unzähligen Fernheilungsangebote nicht. Man findet jedenfalls im Internet ohne Ende Webseiten, die gegen genannte Auflagen verstoßen.
Ein ganz besonders dreister Fall ist die Geistheilerin Pia Thomas, die auf Mallorca im Luxus residiert und Kunden über Internet und TV im deutschsprachigen Raum rekrutiert. Eine Erfolgsquote von 90% gehört genauso zu ihren Versprechungen in der Bewerbung, wie viele Heilungsberichte von ehemaligen Klienten und selbstverständlich ist die Fernheilung das erste Mittel der Wahl. Alle Krankheiten sind von ihr heilbar, logisch ohne jede Ausnahme, und das bei Mensch und Tier. Bis hierher ist das nichts Neues, muss man zugeben, doch jetzt kommt’s, die Dame kassiert Tausende von Euros je Klient, nach dem Motto, was sehr gut ist, muss viel wert sein, und selbst, wenn man über Leichen geht, heißt es: Behandlung erfolgreich, Patient tot. Schuld daran war dann die Chemotherapie, die man dem Klienten nachdrücklich auszureden versucht hatte, jedoch ohne Erfolg. Gab es keine schulmedizinische Intervention während ihrer eigenen Behandlung, war es eben eine solche, die vorher stattgefunden hatte, oder zur Not ist der Kranke selbst schuld, weil er eben keinen Lebenswillen mehr hatte, und dagegen ist kein Heilstrom gewachsen.
Geld zurück, gibt es jedenfalls nie, auch nicht, wenn ein neunjähriges Kind verstarb und die Oma 15 000 Euro investierte, weil ihr diese gewissenlose Abzockerin so viel Hoffnung machte, dass der Bub seine medizinisch nicht mehr therapierbare Krankheit überlebt:
Sehr geehrte Damen und Herren
Am 28.08. 2009 erkrankte unser damals 7 Jahre alter Enkel an einem Astrozytom, einem unerforschten, unheilbaren und inoperablen Hirnstammtumor. Diese Diagnose war sein Todesurteil. Nur noch wenige Monate mit dem geliebten Kind zu haben, hat uns alle völlig traumatisiert. Mein Mann und ich hatten am 06.07.2009 bei RTL punkt 12 eine Sendung über die Wunderheilerin Pia Thomas gesehen.
Da es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die sich nicht erklären lassen und wie Wunder scheinen, haben wir diese Frau im Internet gegoogelt und ihre Homepage gefunden. Wir wollten nichts unversucht lassen. Ich habe am 11.09.09 diese Frau auf Mallorca angerufen und erklärte ihr unsere furchtbare Not. Sie arbeitet mit der Hellseherin Sarah Behechti, Kleiberstr. 6, 50374 Erftstadt – Erp, Fachabitur in Sozialpädagogik, zusammen. Frau Thomas sagte, dass immer etwas zu machen sei und sie vor der Chemo und Bestrahlung das Immunsystem von Lukas stärken könne. Dafür müsse ich 5.000 € auf das Konto der Behechti überweisen. Diese beauftragte sie dann einen „Mocca“ zu lesen. Sie würde mir zwar sagen, dass Lukas sterben würde, aber das sei eben sein Zustand vor ihrer Behandlung.
Am 17.09. rief ich dann die Hellseherin an. Sie sagte, das Telefon war auf laut gestellt, mein Sohn und Schwiegertochter hörten mit, dass Lukas im Sommer 2010 wieder völlig gesund sei. Es gab dann bis Februar 2010 5 Behandlungstermine in Köln im Hotel Keuchhof, Braugasse 14 in 50859 Köln Am 16.10.09 fuhren wir gemeinsam zum 1. Termin nach Köln. Es waren dort ca. 25 Menschen jeden Alters da. Hierbei verordnete Thomas Lukas und mir Orthomol, sowie Magnesium Verla und Weizenkeime. In den vielen Telefonaten zwischen Thomas, Behechti und mir wurde ich immer zur Stange gehalten. Insgesamt habe ich 15.000 € gezahlt.
Zunächst besserte sich Lukas Zustand rasant, was selbst die Ärzte sich nicht erklären konnten. Wir schrieben dies auch der Tätigkeit der Heilerin zu. In einer Email vom 19.04.10 behauptet Thomas, dass Lukas ja im Moment Krebs frei sei und somit die weiteren Behandlungen zwischen 200 und 500 € kosten würden. Am 24.05.10 bekam Lukas wieder Gleichgewichtsstörungen und Doppeltsehen. Es wurde ein Not MRT gemacht. Der Tumor, der nie ganz weg war, war wieder gewachsen. Von diesem Datum ging es Lukas täglich ein bisschen schlechter. Ich habe die Damen informiert und mein Geld zurück verlangt. In ihrer Anwortmail vom 31.05.10 schreibt Thomas, dass sie und Behechti die Telefonate mit mir aufgezeichnet haben. Dies taten sie ohne mich darüber zu informieren. Eine Straftat. Sie drohte mir, peinliche Familiendetails an die Öffentlichkeit zu bringen. Ich habe dann Anzeige gegen beide wegen Betrugs erstattet.
Am 14.11.10 ist dann unser Lukas, einen Tag nach seinem 9. Geburtstag gestorben. Die Staatsanwaltschaft machte sich die erste Überprüfung sehr einfach. Man fand in den ganzen Mails keine Straftaten. Man bezeichnete mich als überschießend religiös. Gegen die 1. Einstellung legten wir Beschwerde ein. Man ließ sich dann tatsächlich herab, noch einmal die Ermittlungen aufzunehmen. Dieses Mal lud man sogar die Behechti mal zur Zeugenaussage vor. Das von mir angegebene Konto würde für den Zeitraum vom 15.09.09 – 15.01.10 offen gelegt. Dabei sind in diesem Zeitraum Gelder in Höhe von über 40.000 € geflossen, die Behechti angeblich der Thomas dann bar ausgezahlt haben will. Das von dieser Dame noch andere Konten bestehen könnten, wurde nicht mal in Betracht gezogen.
Die Adresse der Thomas, bzw. Geburtsdatum und Ort war der Staatsanwaltschaft nicht möglich zu ermitteln, obwohl die Behechti in ihrer Zeugenaussage sagt, dass sie auch weiterhin mit der Thomas arbeitet. Thomas ist am 18.05.60 in Hannover geboren, das sagte mir der Bruder der Thomas, der sich nach der ersten Sendung über uns, da lebte Lukas auch noch, für seine Schwester bei uns entschuldigte. Es wäre auch ein Leichtes für die Staatsanwaltschaft die Adresse der Thomas auf Mallorca zu recherchieren. Die Ermittlungen wurden wieder eingestellt und wir haben erneut Beschwerde eingelegt.
Ich habe es unserem Lukas versprochen, dass die Frauen für ihre gewissenlosen und unmenschlichen Taten zur Rechenschaft gezogen werden und ich andere Familien davor warnen muss, solchen Scharlatanen in die Hände zu fallen. Die unendliche Traurigkeit ihn seinen wünderschönen blauen Augen, werde ich nie vergessen, als er mich fragte: Oma, was habe ich den Frauen denn getan, dass sie mich so belogen haben? Ich habe der Pia Thomas doch geglaubt, warum tut sie mir jetzt auch noch so weh? Ich war doch ihr Super-Lukas!
Sollten auch Sie so grausame Erfahrungen gemacht haben und leere Versprechungen von Pia Thomas erhalten haben, bitte sie um ihre Unterstützung. Ich brauche dringend Zeugenaussagen für die Staatsanwaltschaft. Es darf nicht sein, dass mit der Angst und der Not anderer Menschen Geld verdient wird!
Ich hoffe auf einige Menschen mit Zivilcourage
Dagmar Helfmeier
butterschlot-beckum@t-online.de
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Bibliographie
Elke Hergenröther, Ratgeber-News-Blog vom 29.05.2011