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Hinduismus - Gurukonzept

Nach traditionellem Verständnis wird man Hindu durch die Geburt, genauer durch das hineingeboren werden in eine der vier Kasten. Zumindest seit Ende des 19. Jahrhunderts lässt sich diese Behauptung nicht aufrechterhalten. Gerade die heutige Guru-Szene ist als eindeutiges Ergebnis einer seit Jahrzehnten zu beobachtenden hinduistischen Expansion zu betrachten.

Die Herkunft des Begriffes Guru ist nicht geklärt. Heute wird das Wort (in Indien und im Westen) allgemein als Bezeichnung für eine spirituellen Lehrer gebraucht.

Bei der Guru-Schüler-Beziehung geht es immer um die Vermittlung des Verhältnisses des Menschen zum göttlichen, das heißt des atman zum brahman. Durch Meditationskonzentration, so wurde gelehrt, kann der Mensch zu der Erkenntnis kommen, dass atman und brahman in ihrem Wesen identisch sind; dieses Wissen (jnana) führt zu individuellen Erlösung (moksha), zur Beendigung des ewigen Kreislaufes des der Reinkarnation.

Da das größte Hindernis auf dem Weg zur Erlösung Unwissenheit ist, braucht der suchende einen Lehrer beziehungsweise Führer, der den Weg des Wissens zeigt. Dieser Weg führt durch die Unterscheidung von Realität und Illusion hindurch bis zum höchsten Bewusstseinsstand, indem die letzte Wahrheit erkann wirdt. Nur jemand, der dieses Ziel schon erreicht hat, ist auch in der Lage, anderen den Weg zu zeigen. Das ist der Guru.

 Gurus bilden normalerweise klösterlichen Wohngemeinschaften, so genannte Arshrams, in denen sie mit ihren Anhängern zusammenleben. Hat sich ein Suchender entschlossen, bei einem bestimmten Guru zu bleiben, und ist die gegenseitige Prüfung positiv verlaufen, so wird der Interessent als Schüler (chela) angenommen. Nach einigen Wochen oder sogar Monaten der Eingewöhnung erhält der Schüler seine Initiation (diksha): der Guru übergibt ihm im Rahmen einer kleinen Zeremonie, an der kein anderer teilnimmt, ein zu seiner Überlieferungslinie gehörendes Mantra (geheim zuhaltende Klangsilben).

 Jedes Mantra ist ein Codewort für einen Hindu-Gottheit. Durch das ständige wiederholen (japa) der Klangsilbe bei der Meditation, so die hinduistischen Lehre, kann der Schüler mit dieser Gottheit in Kontakt kommen und sich deren spirituelle Energien, die als im Mantra gebündelt vorgestellt werden, zu Nutze machen.

Im Laufe der Zeit soll die Mantrameditation eine besondere Triebkraft entwickeln, die den Schüler den Guru und die Gottheit schließlich eins werden lässt.

Wenn der Guru für den Schüler die Verkörperung des höchsten Seins in der Welt ist, ihm Leben schenkt, die Sünden vergibt, Karma abbaut und Erlösung garantiert, kann er natürlich von seinen Schüler auch alles verlangen. In den einschlägigen Schriften wird deshalb immer wieder hervorgehoben, dass es die Aufgabe des Schülers sei, all seine Gedanken, Worte und Aktivitäten ständig auf den Guru auszurichten und in dessen Dienst zu stellen.

Fast jede Gurugruppe kennt verschiedene, im Jahresverlauf zu begehende Feste, die teils allgemein hinduistischer Herkunft sind, teils mit persönlichen Daten des Meisters zusammenhängen. Bei solchen Gelegenheiten mit der Guru normalerweise nach einem festgelegten Zeremoniell verehrt.

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Bibliographie:

 


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Bearbeitungsstand: 28.05.2009