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Ayurveda - Risiken und Nebenwirkungen
Wolfgang Rühle / 16.06.2011
Ayurveda - Wellness, Heilung oder nur ein Geschäft mit der Hoffnung auf "ganzheitliche Heilung" und ewige Jugend? Ayurveda ist für den einen Wellnes pur, für andere vielversprechende Heilung und für dritte von jedem etwas.
Die ayurvedische Medizin ist die traditionelle indische Gesundheitslehre und als solche Bestandteil der vier heiligen Schriften (Vedas) des Hinduismus. In den Vedischen Schriften werden die Regeln überliefert, nach denen damaliger Vorstellung entsprechend Menschen ein gesundes und gottgefälliges Leben führen sollten. Das Alter der Vedischen Schriften lässt sich nachweislich auf mehr als 3500 Jahre bestimmen.
Ausgangspunkt ist die Vorstellung, dass der menschliche Organismus als Mikrokosmos das Ordnungssystem des Universums widerspiegelt. Der Mensch, so die Annahme, besteht wie alles Lebendige aus den fünf Elementen Feuer (Thejas), Wasser (Jala) , Erde (Prithivi), Luft (Vayu) und Raum (Akasha - Äther). Denen wiederum entsprechen die fünf Sinne Sehen, Schmecken, Riechen, Fühle, Hören. Das menschliche Leben begründet sich letztendlich nach ayurvedischer Vorstellung auf den Komponenten Körper, Sinnesorgane, Geist und Seele. Deren Zusammenwirken wird mit dem Konzept der drei Doshas beschrieben, die nach ayurvedischem Verständnis die fundamentalen Regelungssysteme des Körpers charakterisieren und die Eigenschaften von Menschen bestimmen sollen. Die drei Doshas sind, so die ayurvedische Vorstellung, an bestimmten Stellen des Körpers lokalisiert (Vata - Dickdarm, Pitta - Dünndarm, Bauchspeicheldrüse, Leber, Galle, Kapha - Magen).
Hergeleitet aus diesen Elementen bestimmten drei energetische Regelsysteme, Doshas genannt, den Organismus: Vata (Luft/Äther) regle Atmung, Bewegung und Nerventätigkeit, Pitta (Feuer/Wasser) Verdauung und Stoffwechsel, Kapha (Wasser/Erde) das Immunsystem. Das Verhältnis der Doshas zueinander soll die Konstitution und die individuellen Eigenschaften des Menschen bestimmen. Selbst die kleinste Störung in der harmonischen Abstimmung der drei Doshas führe zu Krankheitssymptomen, vor allem aber zur Ablagerung giftiger Schlacken (Ama) im Organismus, heißt es.
Mittels einer eigenen Pulsdiagnose (Nadivigyan) wird das aktuelle Verhältnis der Doshas zueinander ermittelt. Um deren rechte Balance, abgeleitet aus dem astrologischen Horoskop des Patienten (Prakriti-Analyse), wiederherzustellen und die angesammelten Schlacken auszuleiten, werden bestimmte Reinigungsverfahren (Panchakarma) verwendet. Dazu gehören etwa Fasten, Bäder, Einläufe, Erbrechen oder Aderlass. Hinzu kommen Massagen, Yoga- und Atemübungen, Farb- und Musiktherapie, sowie der Einsatz einer Vielzahl eigener Arzneimittel.
Ob diese Vorstellungen außerhalb des kulturellen Kontexts, in dem sie entstanden sind, Sinn machen, ist umstritten. (1)
Überprüfungen ayurvedischer Diagnose- oder Therapieverfahren nach westlichem Standard lassen jedenfalls erhebliche Zweifel an deren Wirksamkeit aufkommen. Selbst in Indien sind sie umstritten. So hielt der verstorbene indische Wissenschaftler Abraham Kovoor sie für ausgemachten Unsinn.
Das Gesamtkonzept des Ayurveda ist geprägt vom Denken der Zeit, in der es entstanden ist. Seitdem hat sich das System kaum weiterentwickelt. Im westlichen Kulturkreis hat sich Ayrveda hauptsächlich in Gestalt des Maharishi Ayur-Veda etabliert.
Anfang der 1980er hatte der Maharishi Mahesh Yogi den "Weltplan für vollkommene Gesundheit" vorgestellt, eine Mixtur aus Transzendentaler Meditation und Bestandteilen traditioneller indischer Heilkunst. Auf diesem Weg wurde das hinduistische Heilsystem des Ayurveda auch im deutschsprachigen Raum bekannt. Zahlreiche Heilpraktiker sowie zunehmend auch Ärzte und Privatkliniken arbeiten heute nach ayurvedischen Prinzipien (beziehungsweise dem, was sie darunter verstehen). (2)
Maharishi Mahesh Yogi, dessen Maharishi Ayur-Veda im wesentlichen in den westlichen Ländern angeboten wird, beansprucht für sich, "den Ayur-Veda in seiner Ganzheit wiederzubeleben".(3). Seine Organisation hat viel in Forschungsaufträge und eine eigene Privatuniversität investiert, um einen wissenschaftlichen Nachweis ayurvedischer Behandlungsmethoden speziell in Verbindung mit der -> Transzendentalen Meditation (TM) zu führen. Kritiker zweifeln jedoch die Glaubwürdigkeit dieser Untersuchungen an. Die Medikamentenlehre des Ayurveda hält einer seriösen wissenschaftlichen Analyse nicht stand. Die Medikamente sind Mischungen aus Pflanzen, Mineralien und Metallen, darunter auch Quecksilber.
Die Stiftung Warentest veröffentlichte 2005 folgende Bewertung:
Die Daten über die Zuverlässigkeit ayurvedischer Diagnostik sind widersprüchlich. Ayrvedische Diagnosemethoden sind wenig geeignet, um Krankheiten und Störungen zu erkennen.
Es gibt Hinweise auf die therapeutische Wirksamkeit einzelner Therapieverfahren, insbesondere einer ayurvedischen Arzneibehandlung bei Akne, Arthrose, Diabetes, Parkinsonkrankheit, rheumatoider Arthritis und Schlafstörungen. Diese kann allerdings mit Risiken verbunden sein. Die Nutzen-Risiko-Abwägung fällt eher negativ aus.... Die Wirksamkeit des kompletten Medizinsystems des Ayurveda ist nicht nachgewiesen. Als allgemeines Behandlungskonzept ist Ayurveda zur Behandlung von Krankheiten und Störungen nicht geeignet.(4)
Ayurveda wird in zwischen von Heilpraktikern, Ärzten und stationären Einrichtungen deutschlandweit angeboten, ohne dass diese unbedingt der Maharishi-Organisation TM nahe stehen oder angehören. Die Ausbildung der Anbieter ist sehr unterschiedlich. In Indien ist die Ausbildung zum Ayurveda-Arzt an Universitäten staatlich geregelt und beträgt mindestens 6 Jahre. In Deutschland praktizieren nur wenige Ärzte mit dieser Ausbildung. Die meisten Anbieter in Deutschland haben ihre diesbezüglichen Kenntnisse bei Maharish Ayur-Veda erworben.
Dazu Colin Goldner:
Interessant in Hinblick auf die Qualifikation von Ayurveda-Praktikern sind übrigens die Studiengänge, die etwa von der marktführenden Münchener SEVA Ayurveda Akademie angeboten werden: Eine Grundausbildung dauert fünf Tage (795 Euro), eine darauf aufbauende Fortbildung beispielsweise in "Innerer Medizin" vier Tage (600 Euro) . An der Europäischen Akademie für Ayurveda bei Frankfurt umfasst die Grundausbildung immerhin sechs Tage (825 Euro), die Komplettausbildung zum Ayurvedatherapeuten 31 Tage (4495 Euro). Viele Praktiker erwerben ihre fachlichen Kenntnisse auch auf Urlaubstrips nach Indien oder Sri Lanka, wo eine Vielzahl an "Ausbildungsinstituten", angeschlossen oftmals an Hotels oder Touristenresorts, ihre Dienste feilbieten. (5)
Prof. Dr. Dieter von Schmädel über Maharishi und Ayurveda (AGPF)
Die Wellness-Jünger seiner Heiligkeit (Spiegel online)
Hauptsache Gesund vom 16.06.2011 (MDR)
Ayurveda (Stiftung Warentest)
Bibliographie
(1) Colin Goldner, Alternative Diagnoseverfahren, Alibri-Verlag 2008 S. 46
(2) ebenda S. 45
(3) Stiftung Warentest, Handbuch die andere Medizin, 1996, S. 175
(4) Stiftung Warentest, Die andere Medizin, 2005, S. 98
(5) Colin Goldner, Alternative Diagnoseverfahren, Alibri-Verlag 2008, S. 47 ff.