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Die OSHO-BEWEGUNG in Sachsen/Thüringen

 

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Das Schatzkästchen von Schmiedeberg - ... und wie weiter?

Autor bekannt / Juni 2009 / Erlebnisbericht



Mitunter kommt es vor, dass sich Seher, Heiler oder gar ganze Gruppen pseudoreligiöser Gesinnung ganz irdischen Problemen gegenübersehen – ganz plötzlich und unvorher-“gesehen“.

Was nun?

Eine interessante Frage und diese trieb mich selber ins Osterzgebirge, ins OshoManjusha Meditationszentrum in Schmiedeberg. Die Gelegenheit war günstig, denn ich brauchte nur einer Einladung zum Tag der offenen Tür folgen. Eine kleine Oshokommune, gegründet von der selbsternannten „Meisterin“ Mahamudra, stellte sich vor und versuchte Offenheit zu demonstrieren. Offenheit mit unserem herkömmlichen Begriffsverständnis ist hier sowieso nicht anzuwenden.

Unter der „psychodiktatorisch-spirituellen“ Leitung Mahamudras gründete sich diese Kommune in Schmiedeberg bereits in den neunziger Jahren. Manjushis sind ein eigenartiges Völkchen. Man glaubt doch allen ernstes, persönliches Glück und spirituelle Erleuchtung darin zu finden, indem man sich seines eigentlichen Namens entledigt, seine Eltern verleugnet und mehrmals täglich meditiert. Nahrungseinschränkungen und andere Doktrinate der „gewonnenen“ Weltanschauung oder des geistigen Oberhauptes dieser Gruppe entfremden zusätzlich von der Umwelt.

Etwas abgelegen des Ortes fand ich nach kurzem Fußmarsch das OshoManjusha Meditationszentrum, bunte Fahnen und Plakate kündeten schon vom weiten von einem Fest. Mein Weg durch das wundervoll gelegene Tal war für mich als Großstadtmensch schon Entspannung genug – endlich konnte ich mal den Großstadtmief abstreifen und mich an Kindertage erinnern. Das kam sicher nicht von ungefähr, denn das Meditationszentrum war einst ein Ferienlager gewesen. Beim betreten ergriff mich ein komisches Gefühl – die Uhren scheinen hier anders zu ticken, genau wie die Menschen in diesem Objekt. Aus der Distanz hafteten Blicke auf mir. In einem kleinen Pavillon versuchte ich mich anhand ausgelegter Flyer und Angebotsbroschüren zu orientieren und einzustimmen.

Ich kam rechtzeitig, gerade wurde zu einer Gruppenmeditation und einem Gesprächskreis mit den Gästen geladen, ein klägliches Grüpplein von vielleicht zehn Gästen folgte. Gebührende Stille beider Seiten, der Gäste und der Manjushis, füllte die Meditationshalle. Wie zu erwarten: „Latschen aus“! - ab hier wird’s (schein)-heilig. Was nun folgte wirkte auf meine irdische Prägung befremdlich – bei all meiner Offenheit gegenüber den verschiedensten Weltanschauungen. Recht laienhaft tanzten wir zu rhythmischen Klängen eines Ghettoblasters im Kreis und hielten uns an den Händen.

So rhythmisch die Musik auch war, so monoton und mit sonorer Stimme folgte ein Vortrag über die Kommune, das Meditationszentrum und die Meditation, Meditation, Medi....ю ױضظ۞ ⅜↑♪♫♀♂. Herrlich schrecklich. Im anschließenden Gesprächskreis bohrte ich nach einigem Zögern nach. Esoterische pseudointelektuelle Phrasen nahm ich unterstützend hinzu. Ein Spiel. Die Rednerin entzog sich diesem gewandt und ging zur folgenden Meditationsdemonstration über.

Ich suchte bewußt die Nähe zu einer jungen Frau, um mit ihr in Kontakt treten zu können - ein süßes Babybäuchlein zierte sie. Wie alle Manjushis trug auch sie einen bunten Button mit ihrem neuen Namen. Manjula. Sie hatte eine freundliche Ausstrahlung, obwohl ihr Gesicht leer war. Fragen? Sicher auf beiden Seiten. Was fühlt eine werdende Mutter, die selbst vor einigen Jahren alle Brücken zu ihrer eigenen abgebrochen hat? Im OshoManjusha gibt es keine Eltern, nur Mahamudra. Besorgte Eltern, die auf der Suche nach ihren Kindern im Zentrum waren, wurden bedrängt und daran gehindert, in Kontakt mit diesen zu treten. Hartnäckiger auftretenden Eltern erteilte man ein Hausverbot, welches schon auf einem Parkplatz außerhalb des Objektes versucht wird durchzusetzen.

Mahamudra verstarb am 17.Mai 2006 und hinterließ eine pseudoreligiöse Gruppe, die ihr untertänigst und psychisch abhängig war. Eine straffe Organisation aus ergebener Arbeitsleistung und völlig abstrusen Meditationstechniken schufen Abhängigkeiten, die sie zur Symbolfigur der Gruppe emporhoben. Diese Figur fehlt jetzt – sie traf Entscheidungen für das Wachsen und Gedeihen des Meditationszentrums und der Kommune, in ihrem persönlichen Sinne und Interesse.

Eine dieser Meditationstechniken -No Mind- wurde uns als Gästen zum mitmachen angeboten. Sitzend, stehend oder liegend sollten wir fünf Minuten lang mit geschlossenen Augen zusammenhanglose Silben und Laute brabbeln. Ein Stimmengewirr wie auf einem byzantinischen Basar umgab mich und machte mich vorübergehend orientierungslos, obwohl ich nur stumm dasaß. Ich ahnte um diese Gefahr, denn beim pausenlosen brabbeln verändert sich, für einen selbst nicht wahrnehmbar, die Atmung. Vergleichbar ist dies mit Rebirthing, einer Meditationstechnik, bei der es durch Hyperventilation zur Toxikation und in Folge dessen zu einer gestörten Wahrnehmung kommt. Anschließendes Innehalten mit geschlossenen Augen sollte uns nach innen führen, damit wir unser Inneres Erkennen. Unter vorausgegangener Brabbelorgie ein gefährliches Unterfangen für labile Gemüter, welches unter Umständen zu einem drogenähnlichen Horrortrip ausarten kann.

Manjushis sind „Profis“ - die brabbeln sich fünfzehn Minuten in Trance. Die erste Session des Tages wird um 4.45Uhr angeboten und im allgemeinen auch so angenommen. Da einige im Anschluß daran ihren Weg zur Arbeit mit dem Auto antreten, möchte ich jetzt nicht an die Gefahren im Straßenverkehr denken. Vergnüglich brabbelnde Manjushis wurden wohl schon in der Gemeinde Schlangenlinien radelnd gesichtet, :-).

Eine darstellende Sightseeingtour über das Gelände zeigte das bereits Erschaffene, mit bescheidenem Stolz. Architektonisch kann man durchaus von einem Schatzkästchen reden, gepflegte Harmonie und Sauberkeit, ob mit oder ohne FengShui - egal. Natürlich durfte an diesem Tag fotografiert werden und ich tat dieses mit dem nötigen eigenen Respekt und unter den Argusaugen der Tourführerin. Ich genoß diesen Spaziergang sogar, ich liebe diese Landschaft und ich mag gute Architektur – wenn da bloß nicht der Backround der Oshokommune wäre. Wieviel Schmerz und Leid werden den „Hinterbliebenen“ zugefügt – Eltern, deren Kinder den Sinn für die Realität, sich selbst verloren haben. Eltern die sich mit selbstzweifeln quälen und sich unter Umständen nicht mehr aus dem Haus trauen. Aber gegen die Gruppendynamik und die subtile psychische Einflußnahme derartiger Kommunen ist man machtlos, sind sie machtlos. Ein Trauerspiel in der so schönen Kullisse des Osterzgebirges.

Mahamudra ist verstorben und hinterläßt einen leeren Sockel. Einige Manjushis haben ihren stärksten Bezugspunkt verloren und das hat die Gruppe und den Charakter der Kommune verändert. Statt unüberlegter Gehorsamkeitstreue ist man jetzt darauf angewiesen, in den „Dienstagsgesprächen“ innerhalb der Kommune Wege zu finden und sich zu artikulieren. Alles im Sinne von Mahamudra und dennoch sind Konflikte vorprogrammiert. Einige wirken unzufrieden, ausschließlich im persönlichen Gespräch mitgeteilt. Ein nicht unerheblicher Teil hat die Kommune verlassen, teilweise mit unbekanntem Ziel. Vielleicht denken einige über neue Wege nach.

Ein kleiner bunter Imbiss wurde angeboten, liebevoll zubereitet. Mit dem Verzehr hielt ich mich ebenso bedeckt, wie sich mein Gegenüber mit den Inhaltsangaben bedeckt hielt. Gehobelte Echsenschwänze gehören zwar heute nicht mehr zu den gängigen Hexenzutaten, ich jedoch bin schon daran interessiert, was ich zu mir nehme.

Meine knappe Zeit nutzte ich für meine erste Tarotsitzung, was macht man nicht alles im kritischen Selbstversuch. Wie´s funktioniert ist hinlänglich bekannt – kritisch betrachtet. Im Prinzip brauchte ich meinem gegenübersitzenden Medium nur erzählen, was ich anders formuliert hören wollte. Ab und zu ein betröppeltes Gesicht oder ein freudiges Grinsen und schon geht’s. Hurra, ich bin der Kosmos – mein Medium hat mich erhört. Unerhört, :-)! Es war wie ein Pingpongspiel für Bewegungsmuffel, wir beide hatten unseren Spass und sind der Wahrheit nicht näher gekommen. Ich flunkere mein Medium an und mein Medium flunkert zurück. Zum Glück mußte ich für den EsoKäse nichts zahlen – ist eh wertlos.

Tja, irgendwann geht die schönste Zeit zu Ende und es hieß Abschied nehmen. Bei allem Spaß, den ich mir hier und da erlaubte, tat ich dies mit allem Respekt gegenüber den einzelnen Menschen und bedankte mich für die Gastfreundschaft. Es sind liebe Menschen, die einer ideologisch-spirituellen Verblendung mit all ihren psychischen Abhängigkeiten erlegen sind. Leider.

Besonderer Dank gilt meinem „Freund“ Vikas. Kontroverses Philosophieren über das Leben begleiteten unseren Nachmittag. Vikas wird demnächst Papa, das gemeinsame Kind mit Manjula, die freundliche Frau mit dem leeren Gesicht. Ich wünsche diesem neuen Erdenbürger alles Gute und eine glückliche Kindheit, mit beiden Eltern. Vikas, der Namensgeber von VIKAS e.V. ? - ein Schelm wer böses dabei denkt.
 


PS.: Bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Das OshoManjusha Meditationszentrum als erzgebirgischer Mikrokosmos unterliegt ebensolchen wirtschaftlichen Zwängen wie wir alle. Trotz Meditationen wird man lange darauf warten können, dass das sprichwörtliche Mana auf die Fundamente begonnener Bauruinen fällt. Die schwindende Anzahl der Kommunenmitglieder wird ihr übriges tun. Ich habe keinen Cent in diesem Center gelassen, aus Überzeugung. Gesellschaftliche Probleme lassen sich nicht einfach wegmeditieren.