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Ein EX-SITE-Dialog

Niklas / 18.01.2008


Mit 17 auf dem Osho-Trip. Ein Alter, in dem man versucht, bestehende Strukturen zu verlassen, ohne vielleicht selbst eine konkrete Vorstellung zu haben, wie das Neue aussehen soll. Der Drang nach "Unabhängigkeit" von allem und jedem, sich zu lösen von einem für sich selbst nicht akzeptablem, überholtem Wertesystem? Vielleicht auch nur treiben lassen zu "höheren Sphären", in denen alle Probleme sich von selbst auflösen? Eine gerade in diesem Alter verlockende Aussicht. Die Gefahr wird übersehen: man sucht Unabhängigkeit und findet genau das Gegenteil, ohne es als solches wahrzunehmen.

 

Verfasst am: 17.11.2007 15:13 von N.

Hallo Leute

Ich bin nun 17 Jahre alt. Aufgewachsen bin ich auf dem Land mit einem älteren Bruder und einer älteren Schwester. Meine Eltern waren halt nicht 0815, sondern befreit von einem Grossteil ihres Egos, meine Mutter hat uns mit unglaublich viel Liebe, Geduld, Verständniss und Erklärung erzogen. Mein Vater liess uns unser Selbst entwickeln, liess uns die Welt selbst erfahren, gab uns keine vorgefertigten Antworten und liess uns möglichst unabhängig aufwachsen. Meine Mutter war Sannyasin, ist es jetzt aber nicht mehr. Hat uns aber nie irgendwie Osho mässig beeinflusst. Mein Vater hat ein ungewöhnlich starkes Selbst und braucht keine Masken.

Mit 16 wurde ich langsam auf Osho aufmerksam, ich war sehr erstaunt, als ich erfuhr, dass meine Mutter früher selbst Osho las und Sannyasin war.

Seither verschlinge ich die Bücher von Osho und habe meine Weltansicht grundlegend geändert. Ich überlege auch mal nach Puna zu gehen oder in eine Commune in der Schweiz, um mich mal umzuschauen.

Da ich auch oft im I-net nach Osho stöbere, bin ich dann einmal auf diese Seite gestossen. Ich war sehr erstaunt, dass es hier ein "OSHO-Aussteiger-Forum" gab und habe mich direkt angemeldet. Interessiert las ich die Berichte von Aussteigern und Sannyasins und auch diese von den Eltern. Anscheinend gibt es viele Leute, die sich Osho Communen anschliessen, aber anscheinend daran kaputt gehen. Es scheint mir, als würden viele auf einen spirituellen Ego- tripp kommen, die sich Osho genauer anschauen.

Darum möchte ich euch mitteilen, dass nicht alle Teenager an der Erfahrung Osho zerbrechen. Ich selbst kann mir gut vorstellen ein Sannyasin zu werden, wenn es sein muss zieh ich halt auch die rote Robe an. Aber nur um später noch unabhängiger zu sein. Das ich später keinen Osho, keine rote Robe mehr brauche. Ich habe Osho bis jetzt als grösste Verunsicherung in dem bewussten Teil meines Lebens empfunden und tief in mir spüre ich, dass diese Unsicherheit gut ist, irgendwann wird sie mich vielleicht transzendieren.

Nicht ALLE Menschen zerbrechen an Osho, es gibt aber mit sicherheit einige für die Osho die Hölle ist. Das geht an die Eltern, die ein Kind an eine Osho Commune "verloren" haben.

Womöglich habt ihr eure Kinder von Geburt an beschützt, ihnen die Regeln des Lebens beigebracht, sie in die Gesellschaft eingebunden, habt sie mit Nahrung und mit Wasser ernährt, habt ihnen bei den Hausaufgaben geholfen und sie unterstützt wo es ging, habt ihnen eine Religion näher gebracht und habt Nächstenliebe gepredigt und alles aus bestem Willen. Euer Kind soll es schön haben im Leben, es soll ihm/ihr an nichts mangeln. Einen guten Job und liebe Kinder haben. Es soll auf eigenen Beinen stehen können und für das habt ihr sie so gut als möglich beschützt.

Statt euch das zu danken, sind sie einfach abgehauen! Ab in ne Osho Commune oder nach Puna oder sonstwohin. Sie melden sich nicht mehr bei euch, scheinen sich kein bisschen mehr für euch zu interessieren. Wenn ihr sie seht, sind sie kühl sind euch fremd, ihr erkennt sie nicht wieder. Das ist nicht mehr das Kind, das ihr gezeugt und geliebt habt.

Ich bin eines dieser Kinder, das sich auf diesem Weg befindet. Ich habe meiner Mutter bereits mittgeteilt das ich vielleicht eines Tages einfach verschwinde und sie mich nicht mehr sehen wird. Sie hat es akzeptiert und gesagt, dass sie sich darauf vorbereiten wolle. Sie glaube an mein selbst, sei überzeugt das ich meinen Weg finde. Meinem Vater brauche ich es nicht mitzuteilen, wir leben in Liebe aber dennoch in Unabhängikeit miteinander. Meine Mutter ist da schon eher abhängig.

Nun ihr Eltern, glaubt auch ihr an eure Kinder, seid froh, dass sie nicht mehr von euch abhängig sind und werdet selbst auch von eurem Kind unabhängig, es wird weh tun, es wird ein unglaublicher Schmerz sein. Doch nachher seit ihr freier ihr, werdet euch besser fühlen. Akzeptiert den Weg eueres Kindes. Glaubt an die Stärke eures Kindes, es liegt nicht in eurer Verantwortung, ob euer Kind die Erfahrung Osho durchsteht oder daran zerbricht. Es ist die Verantwortung eures eigenen Kindes. Lasst euer Kind die Verantwortung für sich selbst tragen. Lasst euer Kind los!!!

Das ist vermutlich der grösste Gefallen, den ihr eurem Kind im Leben je machen könnt.

Seid nicht böse auf mich. Seid nicht böse auf euer Kind. Seid nicht böse auf euch selbst. Macht euch und auch keinem anderen Schuldgefühle. Erkennt euer selbst. Ihr solltet euer Kind als eigenes Wesen annehmen. Ihr seid fremde für ihn so wie euer Kind jemand fremdes für euch ist.

Jeder Mensch ist sich selbst genug.

Liebe Grüsse N.

 

Verfasst am: 18.11.2007 18:33 von R.

Zitat: Anscheinend gibt es viele Leute die sich Osho Communen anschliessen aber anscheinend daran kaputt gehen. Es scheint mir als würden viele auf einen spirituellen Ego tripp kommen die sich Osho genauer anschauen.

Ich bin einer dieser, die beinahe daran kaputt gegangen wären. Ich bin auf keinen Ego-Trip gekommen, sondern ich wurde systematisch fertig gemacht. Von der Osho-Lehre und den Leuten, die sie vertreten haben.

Zitat: Ich habe Osho bis jetzt als grösste Vverunsicherung in dem bewussten Teil meines Lebens empfunden, und tief in mir spüre ich, das diese Unsicherheit gut ist, irgendwann wird sie mich vielleicht transzendieren.


Das bezweifle ich. Ich wage es sogar dir die Garantie zu geben, dass dich die Leere Oshos nicht transzendieren wird. Die Verunsicherung wird dich weiterhin destabilisieren und sehr unglücklich machen. Du wirst Frauen, Sex und unpersönliche Liebe kennen lernen, das alles wird dich hohl und leer machen und wenn du viel Glück hast, dann wirst du eines Tages erkennen, dass Osho ein Tripp ist, alles was er gesagt hat, nur der Wahn einer Sekte ist.

Ich habe die Prominenz der Sannyasins kennen gelernt in meinem aktiven Teil. Die Leute, die eng bei Osho gelebt haben und Leute gekannt haben, die Leute gekannt haben. Ich weiß aus erster Hand, dass Osho bis zuletzt auf Ego-Trips war. Ich weiß, dass er sexuelle Seiten gezeigt haben, die Inder nun mal aufgrund ihrer Erziehung zeigen, wenn sie im Sex-Paradies landen. Ich weiß, dass er Wasser gepredigt hat und Wein getrunken. Ich weiß, dass Osho's Lehre ein großes Verwirrspiel ist und dich garantiert nicht zur Erleuchtung, sondern zum Irrsinn treibt.

Es gibt tatsächlich Leute, die sich jahrelang fangen lassen, aber die gehen nicht tief mit dieser Lehre. Andere beginnen es zu durchschauen, oder reden sich selbst was ein und werden dann Gurus, um daran zu profitieren.

Schau dir bloss Sai Baba an, ein Pädophiler.

Du bist noch sehr jung, lass dich nicht veräppeln von den Gurus.

.

Verfasst am: 19.11.2007 17:00 von L.

Hallo N....,

mit großem Interesse habe ich Deinen Bericht gelesen und war über einige Deiner Ansichten sehr “verwundert”...

Nun ihr Eltern, glaubt auch ihr an eure Kinder, seid froh das sie nicht mehr von euch abhängig sind und werdet selbst auch von eurem Kind unabhängig, es wird weh tun, es wird ein unglaublicher Schmerz sein. Doch nachher seit ihr freier, ihr werdet euch besser fühlen. Akzeptiert den Weg eueres Kindes. Glaubt an die Stärke eures Kindes, es liegt nicht in eurer Verantwortung, ob euer Kind die Erfahrung Osho durchsteht oder daran zerbricht. Es ist die Verantwortung eures eigenen Kindes. Lasst euer Kind die Verantwortung für sich selbst tragen. Lasst euer Kind los!!! “


Meine Eltern haben immer an mich geglaubt, mir die Freiheiten gegeben die ich brauchte, aber mich vor allem auch immer wieder “aufgerichtet”, wenn ich während der Zeit meines “Freiheitsdranges” (auch Pubertät genannt) auf die Nase geflogen bin.
Zum Teil haben sie mich schon vorher darauf hingewiesen, dass ich dabei war einen “Fehler” zu machen, aber sie haben auch immer respektiert und akzeptiert, dass ich gerne meine eigenen Erfahrungen machen wollte.
Heute frage/bitte ich sie bewusst um/nach ihre/r Meinung! Denn Fakt ist, meine Eltern haben einen wesentlich größeren Erfahrungsschatz als ich – den haben auch Nicht-Eltern?! - ja, aber ebenso ist Fakt, dass keiner mich so kennt wie sie. Keiner meine Stärken und Schwächen so einschätzen kann wie sie. Keiner so ehrlich ist wie sie! Keiner immer so da war wie sie! Keiner mir so viel Vertrauen und Freiheit schenkt wie sie! Und dieser kontinuierliche liebevolle Umgang zeigt sich heute in der Qualität der Bindung zu meinen Eltern. Sie haben den Grundstein für mein Urvertrauen gelegt. Vertrauen in mich selbst (ich bin es wert, geliebt zu werden), vertrauen in andere (ich vertraue dir), vertrauen in das Ganze (es lohnt sich zu leben).
Welchen Grund sollte ich haben, die für mich liebsten Menschen der Welt aus mein Leben zu verbannen? Ihnen zusagen, ich werde irgendwann gehen und nicht wieder kommen. Was bewegt Dich dazu dieses Deiner Mutter anzukündigen?

“nicht böse sein”! Warum betonst Du das so?
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es eher eine Last ist, Sannyasse zu sein, als eine Befreiung. Dieses permanente streben nach Erleuchtung, dass verdrängen von negativen Gefühlen. Damit wird einem doch ein Teil des "Lebens" genommen. Ich denke, wir hätten diese Gefühle/Erinnerungen nicht, wenn sie von natur aus unwichtig für unsere Existenz wären. Sie gehören zu uns und haben somit eine Berechtigung “gelebt” zu werden.
Ich bin ein glücklicher und positiver Mensch und mein Leben ist toll, gerade weil es viele Höhen aber auch Tiefen hat und hatte. Ich strebe nicht nach Erleuchtung und somit Verdrängung, sondern genieße es einfach zu "sein". Und wenn ich mich ärger, will ich das sagen können, ohne mir anhören zu müssen "Lass die negativen Gedanken gehen!" Ich hänge mich nicht dran auf, aber einfach mal zusagen, was man fühlt ist viiiel leichter und lässt die negativen Gedanken auf eine viel schneller und einfachere Art und Weise gehen.

Wie kann man nur versuchen, einen “Teil von sich zu "begraben"?!.. das verstehe ich nicht.

Liebe Grüße
L.

 

Bibliographie