Psychotherapien auf dem Prüfstand |
FEUERLAUF | Geschichte und Konzept | Therapieablauf | Anwendungsbereiche |
Kritik | Bibliographie | |
Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch
| Therapien - Geschichte und Selbstverständnis | Therapien - tabellarischer Überblick | INFOSERVER |Anbieter in Sachsen und Thüringen |
Ich war immer schon ängstlich. Meine Freundin meinte, wir sollten doch gemeinsam unseren Mut erproben, und so meldeten wir uns für ein Feuerlaufseminar an.Wir standen barfuß um das flackernde Feuer und sangen immer wieder den gleichen Song, immer wieder, so lange, bis die Reste der Scheite nur noch glühten. Der Therapeut verteilte die Glut, dann lief einer nach dem anderen schnell darüber hinweg. Die meisten spürten nichts. Ich bekam Brandblasen und fühlte mich echt mutig. Aber meine Unsicherheit habe ich nicht wirklich besiegt
vikas /Feuerlauf
Geschichte und Konzept
Die Tradition des Feuerlaufes zählt zum kulturellen Erbe zahlreicher Naturvölker. Sie findet sich heute noch etwa in religiösen Riten in Singapur oder auch im nordgriechischen Anastenäria-Kult, bei dem Menschen in Trance schadlos einen Glutteppich überqueren.
Mit diesen Traditionen hat der Feuerlauf, wie er in der heutigen Psychoszene angeboten wird, wenig zu tun, auch wenn er sich oftmals darauf beruft. Die ersten Psychofeuerläufe fanden Anfang der 80er Jahre in Kalifornien statt, veranstaltet von einem Werbefachmann.
Die »spirituelle Reinigung durch die Kraft des Feuers«, das angeblich 1.000 Grad haben soll, wird als Bestandteil vieler Selbsterfahrungsworkshops, gelegentlich auch als eigenständige -> schamanistische Veranstaltung angeboten. Eine eigene Ausbildung für Veranstalterinnen gibt es nicht.
vikas /Feuerlauf
Therapieablauf
Übungsablauf. Nach Einstimmung der TeilnehmerIinnen auf das Geschehen wird im Freien ein Scheiterhaufen aufgeschichtet und rituell entzündet. Während das Feuer abbrennt, rezitieren alle gemeinsam Meditationsformeln oder singen bestimmte Lieder (-> chanting), klatschen dazu rhythmisch in die Hände und stampfen auf den Boden. Die VeranstalterInnen regen dazu an, hyperventilierend zu atmen (-> Rebirthing), um sich in eine Art Trance zu versetzen. Wer will, kann seine persönlichen Probleme auf einen Zettel notieren, der — siebenmal gefaltet — dann später dem Feuer übergeben wird. Dazu denkt man sich eine individuelle Beschwörungsformel aus, etwa »Ich schaffe es!«
Die nachglühenden Kohlen des abgebrannten Feuers werden zu einem Teppich von vier bis sechs Metern Länge auseinandergerecht. Dann überqueren die Teilnehmerinnen mit einigen Schritten die Glut. Anschließend werden die Füße sofort in kaltem Wasser abgekühlt
vikas /Feuerlauf
Anwendungsbereiche
Die Erfahrung, »das Unmögliche zu schaffen«, soll sich positiv auf die Bewältigung aller Lebensprobleme auswirken.
Trance ist für das schadlose Überqueren des Glutteppichs nicht nötig.
Physikalisch gesehen ist der Feuerlauf
kein Mirakel: Die Temperatur beträgt
nicht 1.000 Grad, sondern 500 bis 700
Grad. Für Bruchteile von Sekunden
kühlt der schwitzende Fuß der Feuerläuferlnnen eine sehr dünne Kohlenschicht ab, erkennbar ist dies an den
dunklen Stellen, die die Schritte auf der
Glut hinterlassen. Überdies ist der Fuß
durch eine dünne Ascheschicht an der
Sohle geschützt. Er darf freilich nicht
länger als etwa zwei Sekunden die Glut
berühren. Da beim Lauf über den Glutteppich jeder Fuß nur dreimal den
Boden betritt, überhitzen sich die Fußsohlen nicht, wenn allerdings Kohlestückchen zwischen den Zehen hängenbleiben, können Brandblasen entstehen.
Gruppendruck und die Einmaligkeit der Aktion läßt manche Personen
die aktuelle Angst überwinden.
Doch es
ist fraglich, ob dieses Erlebnis anhaltende therapeutische Auswirkungen auf
seelische Probleme hat. Zur Behandlung von Unsicherheit und Angstzuständen ist Feuerlauf nicht geeignet.
vikas / Feuerlauf
Bibliographie
© Edition VIKAS 2008