Psychotherapien auf dem Prüfstand |
HELLSEHEN und WAHRSAGEN |
Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch
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vikas / Hellsehen und Wahrsagen
Geschichte und Konzept
WahrsagerInnen und HellseherInnen berufen sich stets auf »höhere Mächte«, (die ihnen die Fähigkeit verleihen, in den Körper ihres Gegenübers, in die Vergangenheit und in die Zukunft zu sehen.
Im deutschsprachigen Raum kommt, so schätzen Experten, auf 2.000 EinwohnerInnen ein Wahrsager beziehungsweise eine Hellseherin. Kann man diesen Schätzungen glauben, so betreiben rund 50.000 Personen das Geschäft mit der Schicksalsdeutung. HellseherInnen treten mit großer Selbstsicherheit auf und stimmen ihre Klientel durch die Gestaltung einer außergewöhnlichen, magisch wirkenden Gesprächsatmosphäre suggestiv ein. Mit guter Menschenkenntnis und gezielten Fragen leiten sie das Gespräch. Sie beobachten genau Mimik und Gebärden ihrer KlientInnen und ziehen daraus Rückschlüsse auf deren Gedanken und geheime Wünsche. Daher treffen die Aussagen oft genau die Erwartungen der KundInnen. Diese glauben, was sie glauben wollen, nach dem Satz »Etwas Wahres ist schon dran ...« (-> Barnum-Effekt). Es ist ihnen kaum möglich, sich der Selbsttäuschung zu entziehen. Zutreffendes wird erinnert, Fehler werden vergessen.
HellseherInnen nennen sich heute meist »mediale LebensberaterInnen«. Sie arbeiten mit Kristallkugel oder -> Tarotkarten , deuten den Charakter aus den -> Handlinien und aus der Schrift (-> Graphologie), erstellen Persönlichkeitsbilder aufgrund von Zahlenmystik (-> Eneagramm) oder Zahlenspielen mit Lebensdaten, Haus- oder Autonummern (-> Numerologie), ergründen das Schicksal aus dem -> I-Ging, dem chinesischen »Buch der Wandlungen«, prophezeien das Schicksal aus Runen und aus Träumen (-> Präkognition).
vikas /Hellsehen und Wahrsagen
Kritik
Wo und wann immer hellseherische Voraussagen überprüft wurden,
konnten sie widerlegt werden.
Auch das
»zweite Gesicht« (Präkognition) und
»Wahrträume« sind als Trugwahrnehmungen entlarvt.
Wahrsagerei kann für Menschen
mit seelischen Störungen gefährlich
werden und Ratsuchende in schwere
Krisen stürzen.
Besonders gilt dies für
Voraussagen von Krankheiten oder
anderen Schicksalsschlägen: Die Angst
vor dramatischen Ereignissen oder vor
Krankheiten kann diese tatsächlich herbeiführen (sich selbst erfüllende Prophezeiung).
Hellsehen muß als Selbsttäuschung oder bewußte Täuschung eingestuft werden.
Eine Hellseherin war zum
Beispiel spezialisiert auf werdende Mütter, denen sie vorhersagte, ob ein Junge
oder ein Mädchen zu erwarten sei. Bei
der Beratung trug sie in ihren Kalender
jeweils das Gegenteil von ihrer Prophezeiung ein. Beschwerte sich die Kundin, zog sie die Notizen hervor und
»bewies« damit, daß sich die Fragestellerin verhört haben mußte.
Etliche berühmte Hellseher dieses Jahrhunderts sind als Betrüger entlarvt, einige auch verurteilt worden.
vikas /Hellsehen und Wahrsagen
Bibliographie
© Edition VIKAS 2008