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Das "besondere Wissen" der Hauke Messerschmidt (Mahamudra)
Wolfgang Rühle / 01.12.2006
1. Mahamudra über Mahamudra
2. Mahamudra die Meisterin
3. Mahamudra über die Liebe
4. Mahamudra und die "Erleuchtung"
"Meine Qualifikation? Kaum Zeit für Diplome, ich bin Autodidakt. Aber es gibt die Tiefe meiner eigenen Erfahrungen, das immer wieder aufwallende Mitgefühl und Verständnis, die heilerischen Fähigkeiten, die erweiterte Wahrnehmung."(1).
Ihr besonderes Wissen erlangte sie nach eigener Darstellung nach einer Begegnung mit Osho im Jahre 1980. Sie nahm in Indien Sannyas (Initiierung als Schülerin Oshos), lebte längere Zeit in Oshos Ahram (Kommune) in Poona/Indien und im Osho Anand Ashram in Gujarat/Indien bei einem anderen indischen Meister.
"In dieser Zeit erinnerte sie das esoterische Wissen der Vergangenheit und machte unzählige tiefe Erfahrungen in Meditationen und Heilen."(2)
Dieses Wissen etwas näher zu erläutern war Mahamudra alias Hauke Messerschmidt explizit leider nicht Willens oder in der Lage. Wir wollen uns deshalb anhand ihrer Niederschriften etwas genauer mit dieser Frage befassen.
Lassen wir aber noch einmal Mahamudra selbst zu Wort kommen:
"Jeder, der tiefer in die Meditation einsteigt, wird auch mit dem Thema Verrücktheit konfrontiert….. Deshalb sitze ich hier und fühle mich kompetent über etwas zu sprechen, das allgemein als menschliches Problem noch völlig ungelöst ist. "(3)
Treffender hätten wir es auch nicht formulieren können.Trotzdem lohnt es sich, das Wissen der Mahamudra etwas genauer zu betrachten, um die Vorgänge im Osho-Manjusha-Meditationszentrum besser einordnen zu können.
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Im Abschnitt "DerWeg zum Guru" haben wir das Prinzip der Entstehung von Abhängigkeiten in Psychogruppen beschrieben, wie es von Tahler/Singer auf der Grundlage langjähriger Beobachtungen von Psychogruppen und Sekten aufgestellt wurde.
Eine Bestätigung dieser Aussagen liefert uns Mahamudra in ihren eigenen Niederschriften:
Zuerst verlieren wir das Urvertrauen durch tiefe Verletzungen und Zerstörungen in der Umgebung, dann reagieren wir darauf mit Selbstablehnung, mit dem Verlust von Selbstvertrauen und verlieren so uns selbst…….. haben wir eine Verbindung zu einem spirituellen Meister, dann kann uns das eine Linie sein, ein Faden um trotzdem mit Bewusstsein und Vertrauen in Verbindung zu bleiben. Aber verlieren wir auch das Vertrauen zu unserem Meister, dann ist die Einsamkeit perfekt.
Das größte persönliche Vertrauen, das man haben kann, ist das zu einem spirituellen Meister. Die Liebesbeziehung im Vertrauen zu einem Meister ist ein großes persönliches Geschenk, weil es auch beinhaltet, über eigene Erfahrungen hinauszugehen. Deswegen sage ich, dass größtmögliche Vertrauen zu einer Person ist das Vertrauen zu einem Meister....
Manchmal kann man sich für einen anderen mehr öffnen als für sich selbst. Das ist das Vertrauen zum spirituellen Meister, es erzeugt Selbstvertrauen, die Fähigkeit, sich selbst mehr anzunehmen......Und selbst wenn man in diesem Vertrauen zu sich selbst oder in sich selbst eine Katastrophe hervorruft oder für viele Menschen Unglück kreiert, kann das seine Richtigkeit haben, etwas, was passieren musste. (5)
Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, was man unter der "Bewußtseinsarbeit" im Osho-Manjusha tatsächlich zu verstehen hat. Gezielt und intensiv wird der "Meister" als einziger Ausweg aus persönlichen Krisen (Vertrauensverlust) propagiert und gleichzeitig das Horroszenarium der Einsamkeit bei Abwendung vom Meister beschworen.
Gezielt wird dabei aber die aktive Rolle des "Meisters" in den Hintergrund gestellt und der Betroffene als der Aktive dargestellt, der das "Geschenk des Meisters" als einzigen Weg aus der Einsamkeit annimmt, mit welchen Konsequenzen auch immer, menschliche Tragödien inbegriffen.
Ziel ist es, so Mahamudra an gleicher Stelle weiter, "Die Seele sprechen lassen, handeln zu lassen ohne zu kontrollieren, was die Auswirkungen sind.
Die Auswirkungen des eigenen Handelns unterliegen nur einem einzigen Bewertungskriterium: dem Vertrauen zu Mahamudra. Die Folgen seines Handelns für den Betroffenen selbst oder sein Umfeld sind ausschließlich danach zu beurteilen. Der Betroffene definiert sich nur noch über das Umfeld der Meisterin. Realitätssinn: Fehlanzeige.
Die Aussagen Mahamudras über die zwischenmenschlichen Beziehungen lassen erahnen, wie sich das Leben in der Kommune und vor allem die Beziehung zur "Aussenwelt" im Osho-Manjusha gestalten. Sie lassen auch die Verachtung erahnen, mit der die Kommunemitglieder alle betrachten, die nicht die "elitere Ausbildung" einer Mahmudra erfahren durften. Auch wenn diese Haltung auf den ersten Blick nicht deutlich und von dem stereotypen "Sannyas-Lächeln" verdeckt wird, in Gesprächen mit Kommunemitgliedern wird sie schnell spürbar.
In (4) schreibt Mahamudra
"Viele, die hier in dieser Runde sitzen und überhaupt die meisten Menschen werden mit der Liebe geboren. Aber im Kampf um das Überleben ist die Liebe schnell verloren gegangen und was bleibt, ist die Fähigkeit, sein Leben zu organisieren, zu kontrollieren, Kraft zu entwickeln, Macht zu erwerben, sich abzutrennen von dem, was man nicht haben möchte und Menschen wie Gegenstände, Leben wie sachliches als Objekt zu behandeln…"
Wir müssen uns vor Augen führen, dass viele der heutigen Mitglieder der Kommune aus einer schwierigen Lebenssituation heraus den Weg nach Schmiedeberg gefunden haben. In der Zeit davor waren sie jedoch, wie jeder andere auch, in ihr normales gesellschaftliches Umfeld eingebunden und versuchten oft mit viel Engagement ihre Ideale zu verwirklichen. Auch wenn sie an einem bestimmten Punkt resignierten, weil vielleicht die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit zu groß geworden war, und sie nach neuen Wegen suchten, so war die Menschlichkeit in ihnen nicht verschüttet. Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, Zweifel am Sinn des eigenen Lebens und vielleicht auch das Gefühl, von seinem Umfeld nicht verstanden, nicht geliebt zu werden, prägten wohl bei den meisten diese Lebensphase.
Einer Hauke Messerschmidt war dies durchaus bewusst:
"… das ist sehr schwierig zu verstehen. Besonders wenn jemand seine Umgebung vielleicht verantwortungsbewusst und fair, auch sorgfältig und sorgend behandelt hat und glaubt, dass das Liebe ist, er sich in Wahrheit nur in einem Zustand befindet, wo er auf Grausamkeiten verzichtet.....Liebe beginnt in dem Moment, wo man seine Mitmenschen als Plage empfindet und trotzdem darüber lächeln kann. Wo…… das Verständnis wächst, dass man selbst genauso eine Plage für die anderen ist und dass niemand aus seinem Sein heraus kann.
"Für viele Menschen sind ihre Mitmenschen die größte Plage ihres Lebens überhaupt, wenn sie ehrlich sind und nur ihr Verantwortungsbewusstsein oder Gruppengefühl hält sie davon ab, diese Plage zu vernichten."
Welch Hohn! Nur der Bewusstseinsarbeit einer Mahamudra und dem starken Gruppengefühl ist es zu verdanken, das die stets lächelnden Manjushis auf Grausamkeiten gegenüber ihren Mitmenschen verzichten. Erstaunlich aber nicht ungewöhnlich ist die Fähigkeit einer Mahamudra, Menschen derart zu erniedrigen, ohne das diese es als solches empfinden, sondern es als "erweitertes Bewußtsein" verinnerlichen. Für Menschen, die eine Lebenskrise mit ihnen bekannten Mitteln nicht mehr zu lösen in der Lage sind, muss eine solche Sicht durchaus als "rettender Anker" wirken. Wird doch den Betroffenen der immanente Leidensdruck genommen, den sie in ihrer Situation empfinden (seelische Erschütterungen, soziale Krise u.ä.), eine Distanz zu ihrem Problemfeld geschaffen und gleichzeitig verinnerlicht, eine große Verantwortung zu tragen.
4. Mahamudra und die Erleuchtung
Oshos und damit nach eigener Darstellung auch Mahamudras Weltbild ist durchgängig von dem Gedanken geprägt, dass das wirkliche Wesen des Menschen eins ist mit dem gesamten Universum, diese ursprüngliche Einheit aber dem heutigen Menschen nicht mehr bewußt ist. Sein Wissen, seine Einbindung in Glaubenssysteme, seine gesamte Erziehung und Entwicklung im Rahmen unserer Gesellschaft hindert den Menschen daran, sein wirkliches Wesen zu erkennen. Dieses Ego, alles einem Menschen eigene, zu zerstören wird als Voraussetzung angesehen, die ursprüngliche Einheit zu erfahren. Es wird die Loslösung von allem "Begrenzten", d.h. weltlichen Dingen und Erkenntnissen, von der eigenen Vergangenheit, einer eigenen Zukunftsvorstellung, der Vorstellung von sich selbst zugunsten der "unmittelbaren Erfahrung" gefordert. Nicht tätig werden im Sinne von verändern, nur beobachten, sich von allen Gedanken befreien und nicht mehr über sich und andere nachdenken, ein unbekümmertes, gleichmütig heiteres und unbekümmertes Dasein führen - Willentliche Gleichgültigkeit, Beziehungslosigkeit und Absage an die eigene Identität bilden die Voraussetzung dazu, die "ursprüngliche Einheit" mit sich und dem Universum herzustellen, zur "Erleuchtung" zu gelangen.
"...Meine Sannyasin sollen sterben, aber einen Tod auf geistiger Ebene, so dass sie auf der Ebene des reinen Bewußtseins leben können" (6)
"..das entscheidende ist, dass man selbst gegangen ist und nur noch Reste von einem da sind. (7)
Das ist der Beginn des Weges zur Erleuchtung (zum Bewusstsein, zur Ganzheit, Energie zur Existenz ..). Dieser Weg ist nach Mahamudra erst dann zu Ende, „wenn es kein Sein mehr gibt, kein Ich, kein Leben, kein Dasein. Und das bedeutet aber nicht, dass derjenige, der sich in diesem Zustand befindet, auch gestorben ist…“(8). „ Das ist der Zustand, in dem man geboren wurde und zumindest der Zustand, für den man auf dieser Erde bestimmt ist“ (9).
Bibliographie
(1) Internetseite des Osho-Manjusha-Meditationszentrums, Stand: 14.11.2006
(2) Internetseite des Osho-Manjusha-Meditationszentrums, Stand: 04.06. 2006
(3) „Im Mittelpunkt der Konflikte“, Eigenverlag 1999, 2. Auflage 2005, Osho-Manjusha-Meditationszentrum, 01762 Schmiedeberg, S.123
(4) ebenda S. 36 ff
(5) ebenda S. 13
(6) Sannyas 9 S. 47
(7)"Im Mittelpunkt der Konflikte", S.118
(8) ebenda S. 110
(9) ebenda S. 112