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"Heilung" durch Mahamudra
Wolfgang Rühle / 27.05.2007
1. Colin Goldner über Mahamudra
2. “Heilung” durch Mahamudra
3. Unser Standpunkt
4. Bibliographie
1. Colin Goldner über Mahamudra
Über die therapeutische Qualifikation von Hauke Messerschmidt (Mahamudra) schreibt Colin Goldner [Goldner, Colin: Die Psycho-Szene. Aschaffenburg: Alibri-Verlag, 2000 S. 47f.]
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Interessant ist auch die therapeutische Qualifikation einer "Mahamudra" Messerschmidt, die als Leiterin des Osho-Manjusha-Zentrums bei Dresden u.a. "Transsensuales Counselling" anbietet: Nach ihrer Initiation als Schülerin Oshos, so Mahamudra über Mahamudra, habe "in Meditation alte spirituelle Weisheit wieder in das Bewußtsein aufzusteigen [begonnen], und der Wunsch nach dem Teilen aller Erfahrung wurde zum Lebensinhalt". Nachprüfbare Qualifikation: Fehlanzeige. [vgl. Messerschmidt, M. (Werbetext), in: Böning, R./Neuwald, B. (Hrsg.): Handbuch für Ganzheitliche Therapie und Lebenshilfe, Gschwend, 1999, S. 567]
2. Heilung im Manjusha
Heilung und Kreativität sind zentrale Themen im Osho-Manjusha-Meditationszentrum von Schmiedeberg. Vor allem bei dem Gedanken an Heilung im Manjusha dürften Zweifel angebracht sein.
In ihren Schriften verweist Mahamudra auffallend oft direkt oder indirekt darauf, dass die Geburt und die frühe Kindheit eine Phase des Missbrauches durch Erwachsene, besonders durch die Eltern darstellt. Das Verhältnis der Eltern zu ihrem Kind beschreibt sie auf folgende skurrile Weise:
"Die Wahl der Eltern mit dem Eintritt in die Gebärmutter ist die Festlegung des wichtigsten Faktors, der unser Leben bestimmen wird. Die Gene der Eltern, die Erfahrungen in ihren Körpern, werden von uns übernommen und in ihrer Mischung zur Herausforderung in diesem neuen Leben"
Einige Zeilen weiter ist zu lesen:
"Auf Grund dieser Basis des Verstehens über den Körper und die Essence, die innere Intelligenz, besteht immer die Möglichkeit, seine leiblichen Eltern anzunehmen und zu lieben. Egal, wie groß der Konflikt mit ihnen war, egal was sie einem angetan haben...."
Diese Aussagen bilden die Basis für eine obskure Mißbrauchstheorie einer Hauke Messerschmidt. Kinder treten mit eigenem Wissen und Erfahrungen aus vergangenen Leben in das Leben der Eltern ein, werden von diesen geprägt und können sich dadurch nicht entfalten. Sie werden gezwungen, mit den Erfahrungen der Eltern zu leben.
Einige Seiten weiter erfährt der Spuk noch eine Steigerung:
"Durch die neunmonatige Nähe (Mutter und Kind während der Schwangerschaft) entsteht ein gegenseitiger Austausch und manchmal nicht nur ein Liebes-, sondern auch ein Haßverhältnis. Das Haßverhältnis ist nicht immer etwas, was von Seiten der Mutter ausgeht. Es ist oft auch etwas, was passiert, wenn ein Kind sich inkarniert, dass sich eigentlich an der Mutter für etwas Vergangenes rächen will."
Endlich werden wir auf Seite 29 (1) zur Erleuchtung geführt:
"Wir alle, die wir an unserer Vergangenheit arbeiten und unser Unbewusstes aufarbeiten, müssen uns auch unsere Geburt ankucken und uns ansehen, was für ein Trauma der erste Schritt in diese äußere Welt mit einem neuen Körper in uns hinterlassen hat."
Diesen "Kindesmißbrauch" zu heilen ist der Anspruch der Mahamudra!
Im Veranstaltungskalender 2006 des Osho-Manjusha ist eine der Aufgaben der Mahamudra das Lehren von Meditation und meditativer Lebenshaltung, die Arbeit mit Menschen an frühkindlichen Traumas und sexuellem Mißbrauch.
Dabei ist es unwichtig, wie die ersten zwanzig oder mehr Jahre eines Lebens verlaufen sind. Spätestens nach der Teilnahme an dem vom Osho-Meditationszentrum in Schmiedeberg angebotenen Lehrgang für Meditationsleiter (Kosten 160 €) ist der Teilnehmer von einem Mißbrauch in seiner Kindheit überzeugt. Dies haben Gespräche mit Teilnehmern und Kommunemitgliedern eindeutig belegt.
In einer e-mail äußert sich Dr. Jochen Handel, Kommunemitglied mit Sannyasnamen Toshi, sehr deutlich darüber, wie er, als promovierter Arzt im Krankenhaus von Dippoldiswalde tätig (!!!), die Fähigkeiten der Mahamudra im Vergleich zu seinen eigenen und denen seiner Berufskollegen einschätzt.
Auf unsere Anfrage, ob unser Sohn, der sich seit Anfang 2005 in dieser Kommune aufhält, vielleicht Hilfe bräuchte, erhielten wir folgende Antwort:
".....ja ich bin Arzt. Approbiert und promoviert und jeden Tag versuche ich, dazuzulernen und diesem Beruf mehr gerecht zu werden......Ja, vielleicht braucht dein Sohn Hilfe (ist doch ein Zeichen von Größe,wenn man es schafft um Hilfe zu bitten und sie auch anzunehmen). Ich finde, er ist bei Mahamudra an der kompetentesten Stelle, viel besser als alle Ärzte, Psychiater, Psychologen oder sonstigen Heilkundigen, die ich in meinen Studien- und Berufsjahren kennengelernt habe." (Fr 24.03.2006 21:25)
Mit dieser Aussage erweist sich Herr Dr. Handel als gelehriger Schüler von Mahamudra, die sich zu diesem Thema “mit zwingender spiritueller Logik“ wie folgt geäussert hat:
“Die Medizin hier im Westen, die soweit entwickelt ist und auch so viel von sich hält, beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Körper und ist deswegen natürlich sehr von Mängeln behaftet. Psychologie, die sich mit der Persönlichkeit beschäftigt, hat ihre Grenzen darin gefunden, dass zur Lösung von Konflikten ein Anpassungsprozeß an die Umgebung stattfinden muß. Die Unterscheidung zwischen Persönlichkeit und Seele kann nicht gemacht werden. Und nur die Esoterik geht in den Bereich "Seele" und darüber hinaus..... Leider ist es aber so, dass die meisten Störungen aus tieferen Bereichen kommen, und deswegen unsere konventionellen Heilungsmethoden im allgemeinen sehr unwirksam sind.(3)”
Ein uns bekannter Worker beschreibt die Situation im Osho-Manjusha-Meditationszentrum in Schmiedeberg mit folgenden Worten:
“Im Manjusha habe ich als Worker liebenswerte Menschen getroffen, mit denen ich gerne zusammen war. Es war eine wertvolle Erfahrung. Jetzt aus dem Abstand von fast 3 Monaten habe ich aber auch Klarheit gewonnen. Mahamudra: um sie wird ein regerechter Personenkult betrieben und man kann sich ihr nur schwer entziehen und ich selber konnte mich ihr auch nicht entziehen. Ich denke, dass diesen Personenkult oder ihre regelrechte Verehrung jeder bestätigen kann, der dort war. Sie hat Macht. Wer dort als Gast oder Worker ist und zur Kommune paßt wird „bearbeitet“. Da ist dann auf einmal von einem Missbrauch in der Kindheit die Rede, den Mahamudra gesehen hat und so war es auch bei (X). Auch bei ihr kam auf einmal eine Missbrauchsgeschichte hoch, als sie als Workerin dort war. Zufall?? (X) ist dann ja auch sehr schnell ins Manjusha gezogen. (X) Entschluß ins Manjusha zu ziehen, habe ich respektieren müssen, aber wieviel und was hat (X) wirklich dort gesehen? Ich weiß nur, dass sie dort nicht glücklich war. Freiheit: Natürlich war es ihr Entschluß, ins Manjusha zu ziehen und ihr alle, die ihr dort wohnt, seid freiwillig dort. Ihr seid alle Sannyasin und Osho hat sehr oft von Freiheit geredet aber hat er wirklich diese Freiheit gemeint? Das Manjusha ist ein besonderer Ort aber es ist Mahamudras Ort und das sollte jeder wissen. Wirkliche Freiheit sehe ICH anders.”
(Quelle: Gästebuch des Osho-Manjusha-Meditationszentrums Schmiedeberg Stand: Februar 2006, vom Betreiber der Seite inzwischen gelöscht - Original liegt dem Verfasser vor)
Diese Aussagen sind aus unserer Sicht ein deutlicher Hinweis darauf, dass Heilung im Osho-Manjusha-Meditationszentrum Heilung nach den obskuren Vorstellungen einer Hauke Messerschmidt (Mahamudra) und nicht nach anerkannten wissenschaftlichen Kriterien bedeutet. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass eine weitere Ärztin und ein Psychologe (beide in ihrem Beruf tätig) Mitglieder der Kommune sind.
Bei der quacksalberischen "Therapie" der Hauke Messerschmidt, Lebensprobleme auf einen angeblich vergessenen und verdrängten sexuellen Mißbrauch in der Kindheit zurück zu führen, geht es aber nicht um tatsächlich erlittenen Mißbrauch und seine hochtraumatischen Folgen, sondern um angebliche Erinnerungen, die direkt auf die suggestiven Vorgaben der "Therapeutin" Mahamudra zurück zu führen sind.
Dazu Elizabeth Loftus: "In meinen Experimenten, die ich mit tausenden von Versuchspersonen über zwei Jahrzente hinweg durchgeführt habe, habe ich Erinnerungen geformt und Leute dazu veranlasst, sich an nicht vorhandene Gegenstände zu erinnern und beispielsweise an einen glattrasierten Mann als an einen Schnurbärtigen zu denken, aus glatten Haaren Locken zu machen..... Ich habe Leuten sogar völlig falsche Erinnerungen einpflanzen können und sie an Personen glauben lassen, die nie existiert haben, und an Ereignisse, die nie geschehen sind"(4, S. 21).
Bibliographie
(1) Hauke Messerschmidt (Mahamudra):
Die leere Straße gehen.
Schmiedeberg: Eigenverlag 1997
(2) Goldner, Colin: Die Psycho-Szene. Aschaffenburg: Alibri-Verlag, 2000 S. 47f.
(3) Hauke Messerschmidt (Mahamudra): Das ist Leben. Schmiedeberg; Eigenverlag 1996 (2004)
(4) Elizabeth Loftus/Katherine Ketcham: "Die therapierte Erinnerung", Verlag Bastei/Lübbe 1994