V I K A S - Informationen zum Psychomarkt in Sachsen und Thüringen 
Publikationen (Print) / Wolfgang Rühle / 02.07.2007



HAUPTSEITE

 


                                                          

 

 

DAS SCHATZKÄSTLEIN VON
SCHMIEDEBERG

(1. Auflage, Oktober 2006)


 

VORWORT
KAPITEL 1 - SUCHE NACH EINER KOMMUNE — DER NEUE TOURISMUS?
KAPITEL 2 - WARUM IST DIESES THEMA GEGENSTAND UNSERER ARBEIT?
KAPITEL 3 - DER WEG ZUM GURU
KAPITEL 4 - DAS OSHO-MANJUSHA- MEDITATIONSZENTRUM IN SCHMIEDEBERG
ANHANG 1: RELIGIO ÜBER BHAGWAN RAJNEESH (OSHO )
ANHANG 2: BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN
ANHANG 3: CHECKLISTE SEKTEN/PSYCHOGRUPPEN BAYERISCHES LANDESJUGENDAMT
QUELLENVERZEICHNIS                      

                             

 

©VIKAS Syrau 2006



VORWORT

 

Auf einer uns bekannten Internetseite ist ein Erlebnisbericht unter dem Titel Meditation im Schatzkästlein vom September 2001 zu finden.

“Fährt man von Dresden über Dippoldiswalde in Richtung Erzgebirge und biegt in Schmiedeberg rechts in das Seitental ein, dann kommt man zum Gelände des ehemaligen Ferienlagers, in dem nun eine Religionsgemeinschaft ihren Sitz hat, das

                                                 Osho Manjusha(1) Meditationszentrum.”


Unsere Erfahrungen mit dem Meditationszentrum im Pöbeltal, die auf einem persönlichem Besuch des Zentrums im Herbst 2005, aus Gesprächen mit Gästen und ehemaligen Bewohnern des Zentrums, Beobachtung der Szene im Internet und regen e-mail-Kontakten mit Sannyasin(2) sowie Auswertung von Veröffentlichungen von Hauke Messerschmidt (Sannyasname Mahamudra(3)) resultieren, lassen leider nichts von einem Schatzkästlein erkennen. Die bisherigen Erkenntnisse lassen auch starke Zweifel an der Aussage aufkommen, dass es sich bei der Commune in Schmiedeberg um eine neue Religionsgemeinschaft handelt. An dieser Stelle wäre wohl eher der Begriff Psycho-Organisation angebracht.

Meditation im Sinne Oshos ist das Wesentliche im Manjusha. Osho selbst dazu (Das Orangene Buch):

Alle Meditationen sind subtile Methoden, um Euch betrunken zu machen Euch zu Trinkern des Göttlichen zu machen.(4)
                               RAJNEESH<BHAGWAN>

Noch deutlicher wird die Leiterin des Meditations­zentrums, Hauke Messerschmidt (Sannyasname Mahamudra), selbst:

Jeder der meditiert, kann nicht im Zustand der falschen Kristallisation (Entwicklung) bleiben. . . . Viele, die in der heutigen Zeit meditieren . . . haben ein (solches) falsch kristallisiertes Gebilde in sich, sind durch tiefe und dunkle Zeiten gegangen . . . Jemand, der sich auf den Weg macht, dieses falsche Gebilde zu zerstören, braucht im allgemeinen einen Meister, weil er selbst nicht mehr weiß, was falsch oder richtig ist, wo der Fehler liegt.(5)
HAUKE MESSERSCHMIDT

Wo ist hier die in dem genannten Erlebnisbericht erwähnte milde und gütige Königin zu sehen? Wir sind der Meinung, Aufklärung ist dringend geboten.



KAPITEL 1:   SUCHE NACH EINER KOMMUNE — DER NEUE TOURISMUS?

War es Mitte der 90-er Jahren um die Neo-Sannyasin­Bewegung(6) nach außen etwas ruhiger geworden, müssen wir heute erneut zur Kenntnis nehmen, dass die Nachfolger der OSHO-(Bhagwan)-Bewegung wieder verstärkt Anhänger gewinnen, neue Strukturen und Methoden entwickeln und in einigen Regionen Sachsens und Thüringens sehr zielstrebig und mit wachsendem Erfolg agieren. Ob das Manjusha in Schmiedeberg bei Dresden, die Oshostadt Zschachenmühle bei Schleiz/Lobenstein oder weniger offen agierende Einrichtungen wie in Plauen und anderen Orten, sie alle entfalten rege Aktivitäten. Vor allem Menschen in schwierigen Lebenssituationen laufen Gefahr, den für sie im Augenblick verlockenden Angeboten zu erliegen.

Im Newsletter des Osho-Manjusha-Meditationszentrums ist zu lesen:

Suche nach einer Kommune für sich der neue Tourismus

Eigentlich sind wir schon wieder voll, jedoch gibt es weiterhin viele Menschen, die sich für das Leben in einer Kommune interessieren, zwei davon stehen auch jetzt bei uns an der “ Türschwelle“. Bis das dritte Kommunehaus bezugsfertig ist, vergehen sicher 9-12 Monate, aber auch das Umfeld bietet gute Wohnmöglichkeiten direkt in der Nachbarschaft des Manjusha. Wo ein Wille ist,……… (11/2005)


Ist Ihnen eigentlich deutlich geworden, dass ein solches An­gebot den Abschied von der eigenen Persönlichkeit, vom eigenen Ich bedeuten kann? Mit dem Osho­Manjusha-Meditationszentrum in Schmiedeberg ist unter unser aller Augen eine Kommune herangewachsen, die nach außen den Anschein einer offenen, neue Lebenswege suchenden Gemeinschaft erweckt, nach unseren Kenntnissen im Inneren aber massiv mit persönlichkeitsverändernden Methoden agiert und eine deutliche Sektenstruktur aufweist.


KAPITEL 2 - WARUM IST DIESES THEMA GEGENSTAND UNSERER ARBEIT?

Das Osho-Meditations-Zentrum in Schmiedeberg ist ein Beispiel einer sich zunehmend ausbreitenden Esoterikszene in Sachsen. Wir wollen uns hier auf die Osho-Bewegung und deren Umfeld in Sachsen konzentrieren. Es ist uns bewusst, dass die Osho­Bewegung sehr differenziert zu betrachten ist. Wir wollen auf bestimmte Strömungen, Institutionen und Personen in dieser Bewegung aufmerksam machen, deren Bestrebungen, Mittel und Methoden in ihrer kommerziellen Absicht einer freien Persönlichkeitsentfaltung entgegenstehen. »Was interessieren mich Osho oder eine Kommune«, werden Sie fragen, »ich habe doch meine eigenen Probleme. Der Tagesstress frisst mich bald auf, ich habe keine Zeit für die Familie, der Mann neben mir am Arbeitsplatz stresst mich tagaus, tagein und der ganze Alltagskram geht mir schon lange auf die Nerven. Außerdem, was weiß ich schon vom Anderen, was interessiert es mich auch. Ich habe meine eigenen Probleme, die keinen etwas angehen und denen ich schon lange zu entfliehen suche.« Wenn Sie Pech haben, dann finden Sie genau in dieser Lage einen väterlichen Freund, einen verständnisvollen Chef oder irgend einen anderen, Ihnen zugetanen Menschen, der aus welchem Grunde auch immer, genau für Ihr Problem die ideale Lösung hat. Die Erlösung von all den täglichen Problemen, keine Verantwortung mehr für sich und andere, das Streben nach dem allumfassenden Bewusstsein, nur noch Licht und positive Energien.

• Wenn Sie richtig viel Pech haben, dann finden Verwandte und Bekannte das Ganze auch noch chic und cool.

• Wenn Sie Glück haben, dann können Sie mit Ihrem gesundem Menschenverstand dem lockenden Ruf der bewusst oder unbewusst agierenden, manchmal selbst ahnungslosen Helfer eines Psycho-Gurus widerstehen.

Diesem Glück etwas nachzuhelfen ist unser Anliegen. Die Zeiten sind günstig für den Psychomarkt, die alternative Psychoszene vermischt mit religiösen, magischen und esoterischen Elementen. Handeln ist angesagt!

Wer ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in einem Umfeld zunehmender Perspektivlosigkeit ganzer gesellschaftlicher Gruppen und Vereinsamung des Einzelnen, in Zeiten der Verarmung zwischenmenschlicher Kommunikation, in Zeiten einer zunehmenden Sinn- und Identitätskrise nicht fasziniert von der Vorstellung, bisher unerreichbare Ziele plötzlich schnell und einfach doch noch Realität werden zu lassen?

Endlich wieder aktiv werden, wenn schon nicht nach außen, dann doch wenigsten nach Innen! Positiv denken, egal was kommt! Ein gutes Geschäft für die Seelenfänger, die Macher, ein möglicherweise verhängnisvoller Schritt für den, der darin den einzigen Ausweg sieht, die Auseinandersetzung mit der Realität draussen meidet und den vermeintlich leichteren und Erfolg versprechenden Weg nach innen wählt.

Der Psychomarkt in seiner Gesamtheit ist für den Einzelnen kaum noch überschaubar und einer der wenigen Wirtschaftszweige, bei denen man derzeit von einer wirklich dynamischen Entwicklung sprechen kann. Dieser Supermarkt schillernder Illusionen, falscher Versprechungen und angeblich ungeahnter Möglichkeiten garantiert aber in der Regel nur wenigen eine rosige, sorgenfreie Zukunft: den Betreibern. Wer sich in diesem Supermarkt bedient, der riskiert, seine persönliche Freiheit gegen einen langen Weg der psychischen Abhängigkeit einzutauschen, ohne es im Vorfeld auch nur zu ahnen. Ein Weg, der beschwerlich für den Betroffenen und dessen Angehörige ist, aber nicht aussichtslos sein muss, wenn der Betroffene es will und Angehörige und Freunde dabei nicht wegschauen. Es ist schon fast ein Paradoxon. Bei Geldanlagen (neuer Markt) haben die meisten in den letzten Jahren gelernt, dass unverhältnismäßig hohe Versprechungen zu schmerzhaften Verlusten führen können. Auf dem Psychomarkt steht diese Erfahrung wohl vielen noch bevor. Die Anfälligkeit, solchen Versprechungen aufzusitzen, ist umso größer, je geringer die tatsächlichen Kenntnisse der Materie sind. Aktueller denn je sind die Worte Immanuel Kants: Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Um Missverständnissen vorzubeugen:

Meinungs- und Glaubensfreiheit sind unverzichtbar, unantastbar. Alle religiösen und nichtreligiösen Traditionen, spirituellen und esoterischen Strömungen, die einen Menschen zu einem eigenständigen, unabhängigen Leben ermutigen ohne ihn seiner Identität zu berauben, verdienen unsere Wertschätzung. Werden Traditionen, egal ob fernöstlicher, westlicher oder sonstiger Herkunft aber durch subtile, schwer durchschaubare tiefenpsychologische Eingriffe in die Persönlichkeit missbraucht, dann muss einem solchen Spuk, welcher Tarnung er sich auch bedient, entgegengetreten werden. Unser Anliegen ist es, bei der Beantwortung von Fragen rund um den Psychomarkt Hilfestellung zu geben: Woran erkenne ich bei der unübersichtlichen Vielzahl von Yogaanbietern, selbsternannten psychologischen Beratern, NLP- und sonstigen Trainern, ob ein Angebot für mich geeignet, meiner persönlichen Entwicklung förderlich ist oder nicht? Woran erkenne ich, welche Ziele der Anbieter verfolgt? Wovon lasse ich mich leiten, wenn ich an einer Kreuzung meines Lebens stehe, die vielleicht ohne es zu wissen, zum Anfang einer Sackgasse werden kann?

Wie kann ich mich orientieren, wenn ich mehr Fragen als Antworten habe?



KAPITEL 3 - DER WEG ZUM GURU

 

Die OSHO-Anhänger, die Neo-Sannyasin, verzichten oft auf Beruf und sicheres Einkommen, zerschlagen bewusst alle Brücken zu ihrem bisherigen Leben um dies gegen ein Leben in der Kommune einzutauschen und eine erstaunliche Guru-Verehrung zu entfalten.

Obwohl viele von Ihnen als akademisch vorgebildet gelten, scheinen sie regelrecht den Verstand abzuschalten, als ob man einfach das bisher gewohnte Licht ausmacht, um danach nach intensiver „Reinigung“ von alten Einflüssen in tiefster Dunkelheit eine neue Lichtquelle zu erschließen.

Wie kann dies geschehen?

 Was fasziniert diese Menschen an der Osho­Bewegung und anderen Psychogruppen, welche Umstände begünstigen eine derartige Persönlichkeitswandlung, das Eintauschen einer eigenständigen Persönlichkeitsstruktur (oder auch nicht?) gegen ein neues spirituell geprägtes Ego? Geht vielleicht dem Zeitpunkt des Lichtausschaltens sogar eine lange Phase der inneren Veränderung und äußeren Beeinflussung voraus?

 

3.1 Gesucht und gefunden oder geworben?

Eine weit verbreiteter Irrtum ist die Fiktion des Suchers, die besagt, dass Menschen, die einer Sekte beitreten, auf der Suche nach (genau dieser) Sekte gewesen seien. Mit der Darstellung, die Sektenmitglieder hätten selbst nach einem Guru o.ä. gesucht, wird die aktive Rolle von Sekten und ähnlicher Gruppierungen bei der Rekrutierung von Mitgliedern verharmlost.

Zahlreiche Untersuchungen und Erfahrungsberichte zeigen, dass der Beitritt zu einer Sekte in der Regel das Ergebnis eines aktiven Werbeprozesses der Gruppe ist. Dabei werden vor allem Personen angeworben, die sich gerade in einer für sie schwierigen Lebensphase (Trennung vom Partner, Probleme im Beruf, depressive Phasen) oder in einer Umbruchsituation (nach dem Schulabschluss auf der Suche nach eigenen Wegen, zwischen zwei Lebensabschnitten..) befinden. Betroffen sind dabei vorrangig Personen bis Mitte Dreißig. Doch nicht nur, es ist jeder gefährdet.

Weder Ausbildung noch Alter oder Beruf schützen ihn davor. Der sechzehnjährige Schüler wird genauso schnell zum Opfer wie der fünfzigjährige Manager. Und die Gefahr, in die Fänge dubioser Psychotrainer oder Psy­chokulte zu geraten, lauert überall. Die einen besuchen ein entsprechendes Persönlichkeitstraining, die anderen geraden über die Einladung eines Freundes und einen Informationsabend völlig ahnungslos in einen Psychokult.(7)

Oftmals ist nur ein Schritt in dieser Richtung der eine Schritt zu viel.

3.2 MIR passiert das NICHT!

Mit raffinierten psychologischen und sozialen Beeinflussungsmethoden werden die Mitglieder gewonnen und an die Gruppe gebunden. Dies geschieht in der Regel behutsam über einen längeren Zeitraum, von den davon Betroffenen selten wahrgenommen, meist aber immer nach dem gleichen Grundmuster.

• Gewachsene soziale und persönliche Bindungen werden systematisch in Frage gestellt und zerstört. In der Regel werden vor allem die Eltern und enge Freunde als Ursprung allen Übels verdammt.

• Es werden zielgerichtet Zweifel an der eigenen Persönlichkeitsstruktur aufgebaut und damit der Sinn des bisherigen Lebens in Frage gestellt. Es wird eine Identitätskrise herbeigeführt.

• Die entstehende innere Leere, die herbeigeführ­te Orientierungslosigkeit wird umgehend mit neuen, unantastbaren Erfahrungen ersetzt und damit für die betroffene Person eine neue Realität geschaffen.

 

Margaret Thaler-Singer schreibt hierzu:

Diese Attacke auf den innersten Kern einer Person, auf das Selbstkonzept eines Menschen und auf seine Fähigkeit der Selbsteinschätzung ist der entscheidende Hebel, den die neueren Programme ansetzten. Hinzukommt, daß diese Attacke unter verschiedenen Deckmänteln und Umständen durchgeführt wird und sich ganz selten direkten physischen Zwangs bedient. Vielmehr handelt es sich um einen ebenso subtilen wie durchschlagenden psychologischen Prozeß der Destabilisierung und der forcierten Abhängigkeit.(8)

Dieses System der psychischen Manipulation funktioniert. Menschen, die manipuliert werden, fühlen sich niemals manipuliert.

 

3.3 Das Problem betrifft nicht nur Wenige

Die Ausbreitung von Sekten und Psychogruppen, deren Wirkung auf Einzelpersonen, Familien und zunehmend auf Politik und Wirtschaft hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine neue Dimension erreicht, ohne das dies von der breiten Öffentlichkeit registriert wurde.

Die Schädigung von Einzelpersonen und die Zerstörung familiärer Strukturen, die nicht selten mit fast krimineller Energie betrieben wird, ist schon schlimm genug. Dass mit Sekten aber — in den verschiedensten Schattierungen — totalitäre Sozialstrukturen (derzeit verstärkt erfolgreich) in unsere Gesellschaft eindringen, sollte uns aufhorchen lassen.

Gerade in Deutschland konnte damit leider ausreichend Erfahrung gesammelt werden. Grund genug für jeden, dem seine Freiheit am Herzen liegt, bereits den Anfängen zu wehren. Das ist nicht einfach, denn Betroffene stoßen in der Regel in ihrem Umfeld auf Unverständnis (... wie kann man nur so dumm sein?) und werden oft nicht ernst genommen. Doch nicht der Einzelne versagt, es ist die raffinierte Manipulation, mittels der er ohne es zu merken, mental umprogrammiert wird.

Der einzige Ausweg heißt Aufklärung. Wer weiß, wie Psychoanbieter manipulieren, fällt nicht mehr so schnell darauf herein. Das gilt allerdings nur vor dem Training. Wer sich erst einmal auf den Prozess eingelassen hat, hat so gut wie keine Chance mehr. Denn wer kritisiert, stört und wird daher persönlich niedergemacht oder gleich rausgeschmissen.(9)

 

 

3.4 Der direkte Einstieg in die Gruppe

Margaret Thaler Singer beschreibt den Ablauf von Gruppentrainings, wie er sich aus eigenen Beobachtungen und Gesprächen mit Teilnehmern und ehemaligen Trainern darstellt(10). Nach diesem Schema laufen nach unseren Erkenntnissen, resultierend aus einem Briefwechsel mit ehemaligen Teilnehmern, auch die Meditationsleiterlehrgänge (Dauer 5 Tage) in Schmiedeberg ab.

Der Ablauf von Gruppentrainings gestaltet sich nach den Beobachtungen von Thaler Singer nach folgendem Grundschema:

1. Tag: Es wird die absolute Autorität des Führers oder Trainers demonstriert. Motto: Das Programm  funktioniert, ihre Sache ist es zu gehorchen, um den größten Nutzen daraus zu ziehen.

 2. Tag: Den Teilnehmern wird die neue Philosophie der Gruppe eingeflößt Es werden Schuldgefühle und Angst erzeugt. Den Teilnehmern wird eingetrichtert, dass sie selbst alles Schlechte, das in ihrem Leben geschehen ist, verursacht haben. Dass die Teilnehmer ihr Leben zum Funktionieren bringen können wird damit begründet, dass es ein magisches Denken gibt, durch das sie sich alles erschaffen können, was sie sich wünschen.

3. Tag: Es werden Übungen durchgeführt, oft tranceinduzierende, geführte Imaginationen, bei denen in den Teilnehmern alle Enttäuschungen seit der frühen Kindheit wachgerufen werden. In Übungen, die sich auf Mutter und Vater beziehen, werden all die traurigen Erinnerungen Ihres Lebens von der Kindheit bis zur Gegenwart hervorgerufen. Am Ende des dritten Tages sind die Teilnehmer psychisch geöffnet.

4. Tag: Viel persönlicher Austausch in der Gruppe. Der Trainer wandelt sich vom strengen, alles beherrschenden Meister zum verführerischen, charmanten, liebevollen Papa (Mama).

5. Tag: Soll unbeschwert und fröhlich verlaufen, es gibt längere Pausen und es darf getanzt werden. Aufforderung zu weiterer Kursteilnahme.

 

3.5 Warum nicht einfach gehen?

Menschen, die in die psychologischen und sozialen Zwänge einer Sekte oder Psychogruppe geraten sind, fällt es schwer, sich aus diesen für viele unsichtbaren aber wirkungsvollen Fesseln zu befreien. Was ist diesen Menschen widerfahren?

Täuschung während der Anwerbungsphase und während der gesamten Dauer der Zugehörigkeit zur Gruppe. In den meisten Sekten oder Gruppen wird den Mitgliedern gesagt, dass sie sich selbst ändern müssen, wenn die Glaubensüberzeugung der Gruppe wahr werden sollen und dies führt allmählich zu radikalen Veränderungen der Gedanken und Handlungen, oh­ne dass sich die Gruppenmitglieder dessen bewusst werden.

Entkräftung wegen der langen Arbeitszeiten, dem massiven Gruppendruck, der inneren Beschränkungen und dem inneren Kampf.

Abhängikeit wegen der Abschirmung von der Außenwelt, Gruppendruck und Informationsmangel.

Angst wegen der von der Gruppe eingeimpften Überzeugung, dass der Betroffene außerhalb der Gruppe nicht mehr existieren kann.

Abstumpfung . Dinge, die früher als belastend empfunden wurden, wirken nicht mehr so.
Der Umgang mit gewöhnlichen Dingen des Alltages wie Geld, Überzeugungen, Umgang mit sozialen Kontakten, treffen eigener Entscheidungen usw. muss neu erlernt werden.

Die stärkste Fessel dürfte die Glaubensüberzeugung sein , egal ob religiöser, politischer oder anderer Art. Das damit verbundene Gefühl einer Verpflichtung (der Gruppe gegenüber) ist zwanghaft. Desweiteren sind die meisten Menschen loyal. Wenn sie sich zu etwas entschlossen haben, dann werden sie dem nicht so leicht wieder untreu. Wer umkehren will, braucht Mut. Es ist nie einfach, zuzugeben, den bisher falschen Weg gegangen zu sein.

Für jeden von uns ist es faszinierend, Überzeugungen und Ideen in die Tat umzusetzen. Wir brauchen (Glaubens-) Überzeugungen, um die Welt und unsere täglichen Probleme zu verstehen und zu bewältigen. Was wir nicht brauchen, ist die Manipulation unseres Glaubens durch wen auch immer.

Unter Manipulation verstehen wir dabei, dass die Sachinformation einseitig und tendenziös, die Selbstdarstellung (der Gruppe) darauf gerichtet ist, bei dem Betroffenen eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

 

3.6 Der Weg zurück

Er ist keine Utopie, mit Sicherheit aber auch nicht alltäglich. Die Gründe, eine Psychogruppe zu verlassen können unterschiedlich sein:

• eigene negative Erfahrungen im Handeln der Gruppe,

• Diskrepanzen zwischen tatsächlichem Handeln und Bewusstseinsanspruch der Gruppe oder einzelner Mitglieder;

• Ausschluss aus der Gruppe durch die Leitung,

• Informationsaustausch mit der „Außenwelt“, der vorhandene Zweifel an dem Gruppenbild verstärken kann.

Wege zurück dürfte es ebenso viele geben wie Mitglieder in Psychogruppen. Eines haben wohl aber alle gemeinsam: Allein stehen sowohl Betroffene als auch das damit konfrontierte Umfeld ziemlich auf verlorenem Posten. Schon die Herausforderung, nach dem Aufenthalt in einer solchen Gruppe wieder eigene Entscheidungen zu treffen und eigene Wege zu gehen, den ungelösten Problemen aus der Zeit vor der Gruppe wieder zu begegnen und dann vielleicht einem ablehnenden, zumindest distanziertem neuen Umfeld zu begegnen, dürfte die Kräfte vieler übersteigen.

Hilfe brauchen in einem solchen Prozess wohl alle Aussteiger, zumindest sachkundige Anleitung oder Unterstützung wohl aber auch die Menschen in ihrem neuen (vielleicht auch alten?) Umfeld.

Bevor es aber überhaupt dazu kommt, muss der Betroffene selbst erst einmal eine für ihn schwierige Entscheidung treffen. Die Entscheidung, eine Psychogruppe zu verlassen, ist ein für nicht Betroffene kaum nachvollziehbarer Kraftakt. In vielen Fällen gehen solchen Entscheidungen einschneidende persönliche Erfahrungen voraus. Die Begleitung von Aussteigern ist ganz bestimmt kein Thema für Laienkünstler, psychologische Berater mit Kurzzeitausbildung und irgendwelche Trainer und Heiler mit zweifelhaften Ausbildungen und Erfahrungen. Dazu sind Fachleute mit ausreichend Erfahrung gefragt.


Und doch kann jeder seinen Beitrag leisten:

• hinsehen statt wegschauen,

• auf Betroffene zugehen, statt ihnen den Rücken zukehren,

• versuchen zu verstehen, statt zu ignorieren!



KAPITEL 4 - DAS OSHO-MANJUSHA- MEDITATIONSZENTRUM IN SCHMIEDEBERG

Dieses Zentrum entstand aus dem Bestreben einer Hauke Messerschmidt (Mahamudra) heraus, das größte Meditationszentrum im Osten Deutschlands aufzubauen. Im Erzgebirge wurde ein Platz gesucht und gefunden, der 50 Bewohnern einer Kommune und zusätzlich 50 Gästen Platz bieten kann.

Begonnen wurde zunächst 1993 mit vier Personen in Höckendorf. Im Jahre 1997 wurde das New Dawn in Dresden eröffnet und 1999 wurde in Schmiedeberg ein Grundstück erworben, auf dem seitdem das Osho-Manjusha-Meditationszentrum in der geplanten Größe aufgebaut wird. Derzeit leben in dieser straff organisierten Kommune ständig zwischen 30 und 40 Neo-Sannyasin.

Geprägt wird das Leben der Kommune nach eigener Darstellung durch die Leiterin Mahamudra und die 33köpflge Kommune mit ihrer gemeinsamen Liebe für Bewusstseinsarbeit und Gemeinschaftsleben und im Herzen verbunden mit Oshos Vision vom Neuen Menschen. Auf der Internetseite des Osho-Manjusha­Meditationszentrums findet man folgende Selbstdarstellung:

Das Manjusha wurde 1987 von Osho initiiert und gehört damit zu den ältesten Osho Centern, die noch aktiv sind. Es hat sich bis heute über mehrere Stationen im In- und Ausland ständig den Anforderungen der Zeitan gepasst und weiter entwickelt. Einige der Ersten sind noch immer dabei und füllen das Zentrum mit ihrer langjährigen Erfahrung. Leiterin des Zentrums ist Mahamudra, die mit spiritueller Tiefe, Klarheit und Verständnis Menschen in ihrer Seele berührt. Ihre sprudelnde Kreativität, auch in alltäglichen und geschäftlichen Fragen, prägen die Qualität des Manjusha.

Aufgabe des Zentrums ist die Planung und Durchführung eines reichhaltigen Angebots an Meditation und Veranstaltungen zur Bewusstseinsförderung, dazu jetzt neu ein wachsendes Urlaubsprogramm. Gäste können sich in den neu ein gerichteten Gästezimmern des Zentrums wohlfühlen und die aufmerk­same Betreuung genießen, am Kommune­ Tagesgeschehen oder Veranstaltungen teilneh­men...In den letzten 10 Jahren hat es sich zu einem der wichtigsten Meditationsplätze im Osten Deutschlands entwickelt.(11)

STAND: 19.05.2006

 

Was verbirgt sich hinter den wohlklingenden Worten der gemeinsamen Liebe für Bewusstseinsarbeit und der Verbindung zu Oshos Vision des Neuen Menschen tatsächlich? Die Vision des Neuen Menschen ist nicht ganz so neu, wie es vielleicht zunächst den Eindruck hat. Was verbirgt sich hinter dem reichhaltigen Angebot an Meditation und Veranstaltungen zur Bewusstseinsförderung?

In einigen Niederschriften beschreibt Hauke Mes­serschmidt alias Mahamudra freundlicherweise recht deutlich, worum es wirklich geht:

Bewusstseinskontrolle á la Carte.

 

4.1 Warum betrachten wir das Manjusha als Psychogruppe oder Sekte?

Die Begriffe Sekte und Psychogruppe sind sehr unscharf definiert. Um unseren Standpunkt deutlich zu machen, lehnen wir uns an die Begriffsdefinition von Margaret Thaler Singer(12) an:


Für den Begriff Sekte, wie ich ihn hier gebrauche, sind drei Faktoren von Relevanz:

1.Die Entstehung der Gruppe und die Rolle des Führers;

2. die Machtstruktur, also die Beziehung zwischen dem Führer (oder den Führern) und den Anhängern;

3. der systematische Einsatz von Überredungs- und Überzeugungstechniken, (Techniken der mentalen Programmierung, im allgemeinen Sprachgebrauch auch Gehirnwäsche genannt).

 

In einer Niederschrift von Mahamudra (Hauke Messerschmidt) mit dem Titel Die leere Straße gehen bewusst und menschlich aus dem Jahre 1997 "beschenkt" die Autorin den Leser nach eigener Aussage mit vielen Juwelen der Weisheit für den Verstand.

Gewollt oder ungewollt hat uns Mahamudra mit diesen 120 Seiten bedruckten Papiers eine aufschlussreiche Selbstdarstellung einer Psychogruppe geliefert, wie sie in dieser Deutlichkeit in den folgenden Jahren in keiner anderen Niederschrift von ihr noch einmal zu finden ist. Hat man sich erst einmal an die teilweise ungewohnte Sprache der Hauke Messerschmidt gewöhnt, bedarf es oftmals nicht einmal mehr eines Kommentars.

 

4.2 Das besondere Wissen der Mahamudra

Dieses besondere Wissen erlangte sie nach eigener Darstellung nach einer Begegnung mit Osho im Jahre 1980. Sie nahm in Indien Sannyas (Initiierung als Schülerin Oshos), lebte längere Zeit in Oshos Ahram (Kommune) in Poona/Indien und im Osho Anand Ashram in Gujarat/Indien bei einem anderen indischen Meister.

Zitat: In dieser Zeit erinnerte sie das esoterische Wissen der Vergangenheit und machte unzählige tiefe Erfahrungen in Meditationen und Heilen.(13)


Was immer diese tiefen Erfahrungen auch beinhalten mögen, sie waren offenbar ausreichend, um 1992 im Erzgebirge ihr Meditationszentrum zu gründen, zunächst in Höckendorf, später in Schmiedeberg. Auf der Internetseite des Osho-Manjusha heißt es dazu:


In den letzten 15 Jahren intensiver Meditation und gleichzeitigem Teilen dieser Erfahrungen,
Transformation und kreativer Selbsterfüllung, sind Mahamudra der Name, Mahamudra der Weg und Mahmudra die Person eins gewor­den zu einer lebendigen Ganzheit, deren Eindruck nicht so schnell vergessen werden kann. Seit vielen Jahren teilt Mahamudra in der spirituellen Perle des Osterzgebirges, dem Manjusha, ihre essentiellen Erfahrungen unzähliger Leben und bringt so einen langen Zyklus zu seinem Ende.(14)

 

Auch über das Arbeitsgebiet der Mahamudra klärt uns die gleiche Internetseite auf: Meditation, besonders stille Meditation und Vipassana, tiefe Bewusstseinsarbeit und Transformation im Sein, Verarbeitung traumatischer Verletzungen aus Kindheit und vergangenen Leben und Umsetzung in Kreativität.
Zum Thema Meditation müssen wir uns an dieser Stelle nicht ausführlicher äussern. Das hat Mahamudras Lehrer und Meister Osho in seiner Publikation DAS ORANGENE BUCH selbst getan: Alle Meditationen sind subtile Methoden, um Euch betrunken zu machen Euch zu Trinkern des Göttlichen zu machen.

Diesem und damit verbundenen Themen wird ein zweiter Teil dieser Broschüre gewidmet sein.



4.3 Mahamudra die Meisterin

Uns interessiert die Frage nach der Stellung der Mahamudra in der Kommune. Mahamudra bezeichnet die Mitglieder der Kommune als Kristalle(15), die hier leben dürfen und die sehr glücklich sind, in dieser Atmosphäre von Bewusstsein und Liebe sein zu dürfen. Für den Fall, dass die Kristalle nicht ihren Vorstellungen entsprechen, bietet Mahamudra im Kapitel Kristallisation auch gleich die passende Lösung:

Jemand, der sich auf den Weg macht, dieses falsche Gebilde (seine eigene Persönlichkeit d.V) zu zerstören, braucht im allgemeinen einen Meister, weil er selbst nicht mehr weiß, was falsch oder richtig ist, wo der Fehler liegt. Dieser Meister wird . . . sobald der Schüler bereit ist, stark genug ist, kräftig zuschlagen. Damit das Gebilde so schnell wie möglich in kleine Teilchen zerspringt und etwas neues wachsen kann. Jeder Meister hat seine eigenen Methoden, wie er zuschlägt, aber jeder Meister schlägt zu.

 

Einige Zeilen weiter schreibt Hauke Messerschmidt:

Deswegen ist es immer ein Akt der Liebe und ein Kompliment, wenn ein Meister einen schlägt. Wird man wütend und schlägt zurück, dann ist es die pure Dummheit. Und wenn man dann vielleicht sogar den Meister erschlägt, dann ist das ein großes Unglück,….

Mahamudras Kristallisation hat Früchte getragen. Wir erinnern uns an eine Passage auf der Internet-seite des Osho-Manjusha:

In den letzten 15 Jahren intensiver Medita­tion und gleichzeitigem Teilen dieser Erfah­rungen, Transformation und kreativer Selbsterfüllung, sind Mahamudra der Name, Ma­hamudra der Weg und Mahmudra die Per­son eins geworden zu einer lebendigen Ganz­heit, deren Eindruck nicht so schnell verges­sen werden kann.(16)
                                                                                                                
INTERNET

 

4.4 Heilung durch Mahamudra

Heilung und Kreativität sind Begriffe, die im Zusammenhang mit dem Manjusha auf Schritt und Tritt zu finden sind. Vor allem bei dem Gedanken an Heilung durch Mahamudra macht sich ein flaues Gefühl in der Magengegend bemerkbar. In Ihren Schriften verweist Mahamudra auffallend oft direkt oder indirekt darauf, dass die Geburt und die frühe Kindheit eine Phase des Missbrauches durch Erwachsene, besonders durch die Eltern darstellt. In ihrem Buch(17) beschreibt sie das Verhältnis der Eltern zu ihrem Kind auf folgende skurrile Weise.

Die Wahl der Eltern mit dem Eintritt in die Gebärmutter ist die Festlegung des wichtigsten Faktors, der unser Leben bestimmen wird. Die Gene der Eltern, die Erfahrungen in ihren Körpern, werden von uns übernommen und in ihrer Mischung zur Herausforderung in diesem neuen Leben.(18)

Einige Zeilen weiter ist zu lesen:

Auf Grund dieser Basis des Verstehens über die Körper und die Essence, die innere Intelligenz, besteht immer die Möglichkeit, seine leiblichen Eltern anzunehmen und zu lieben. Egal, wie groß der Konflikt mit ihnen war, egal was sie einem angetan haben(19).

Jeder Mensch würde normalerweise darüber einfach den Kopf schütteln und das Papier, auf dem diese Worte geschrieben sind, dem Papierkorb übereignen. Diese Aussagen bilden jedoch die Basis für eine obskure Missbrauchstheorie einer Hauke Messerschmidt. Kinder treten mit eigenem Wissen und Erfahrungen aus vergangenen Leben in das Leben der Eltern ein, werden von diesen geprägt und können sich dadurch nicht entfalten. Sie werden gezwungen, mit den Erfahrungen der Eltern zu leben.

Auf Seite 28 erfährt der Spuk noch eine Steigerung.

Durch die neunmonatige Nähe (Mutter und Kind während der Schwangerschaft- d. Verf) entsteht ein gegenseitiger Austausch und manchmal nicht nur ein Liebes-, sondern auch ein Hassverhältnis. Das Hassverhältnis ist nicht immer etwas, was von Seiten der Mutter ausgeht. Es ist oft auch etwas, was passiert, wenn ein Kind sich inkarniert, dass sich eigentlich an der Mutter für etwas Vergangenes rächen will.

Auf Seite 29 werden wir endlich zur Erleuchtung geführt:

Wir alle, die wir an unserer Vergangenheit arbeiten und unser Unbewusstes aufarbeiten, müssen uns auch unsere Geburt ankucken und uns ansehen, was für ein Trauma der erste Schritt in diese äußere Welt mit einem neuen Körper in uns hinterlassen hat.

Diesen Kindesmissbrauch zu heilen ist der Anspruch der Mahamudra. Laut Veranstaltungskalender 2006 des Osho-Manjusha ist eine der Aufgaben der Mahamudra das Lehren von Meditation und meditativer Lebenshaltung, die Arbeit mit Menschen an frühkindlichen Traumas und sexuellem Missbrauch.

Die praktische Konsequenz dieser Heilslehre: Die leiblichen Eltern werden von den so geheilten Mitgliedern der Gruppe nicht mehr als ihre Eltern angesehen. Jeder direkte Kontakt wird durch das Gruppenmitglied abgebrochen. Die Gruppe wird zur neuen, unfehlbaren Familie, zur neuen Heimat. Mahamudra wird als einzige Autorität anerkannt, ihrem Wirken wird das gesamte Leben untergeordnet.

Dabei ist es unwichtig, wie die ersten zwanzig oder mehr Jahre eines Lebens verlaufen sind. Spätestens nach der Teilnahme an dem vom Osho-Meditationszentrum in Schmiedeberg angebotenem Lehrgang für Meditationsleiter (Kosten 160 €) ist der Teilnehmer von einem Missbrauch in seiner Kindheit überzeugt. Dies haben Gespräche mit Teilnehmern und ehemaligen Kommunemitgliedern eindeutig belegt. Manchmal reicht dazu auch ein längerer Aufenthalt im Manjusha als Worker. Eine Nachricht aus dem (inzwischen gelöschten, dem Verfasser aber im Original vorliegenden) Gästebuch auf der Internetseite des Osho-Manjusha spricht dazu eine deutliche Sprache(20):

Im Manjusha habe ich als Worker liebenswerte Menschen getroffen, mit denen ich gerne zusammen war. Es war eine wertvolle Erfahrung. Jetzt aus dem Abstand von fast 3 Monaten habe ich aber auch Klarheit gewonnen. Mahamudra: um sie wird ein regerechter Personenkult betrieben und man kann sich ihr nur schwer entziehen und ich selber konnte mich ihr auch nicht entziehen. Ich denke, dass diesen Personenkult oder ihre regelrechte Verehrung jeder bestätigen kann, der dort war. Sie hat Macht. Wer dort als Gast oder Worker ist und zur Kommune paßt wird „bearbeitet“. Da ist dann auf einmal von einem Missbrauch in der Kindheit die Rede, den Mahamudra gesehen hat und so war es auch bei (X). Auch bei ihr kam auf einmal eine Missbrauchsgeschichte hoch, als sie als Workerin dort war. Zufall?? (X) ist dann ja auch sehr schnell ins Manjusha gezogen. (X) Entschluß ins Manjusha zu ziehen, habe ich respektieren müssen, aber wieviel und was hat (X) wirklich dort gesehen? Ich weiß nur, dass sie dort nicht glücklich war. Freiheit: Natürlich war es ihr Entschluß, ins Manjusha zu ziehen und ihr alle, die ihr dort wohnt, seid freiwillig dort. Ihr seid alle Sannyasin und Osho hat sehr oft von Freiheit geredet aber hat er wirklich diese Freiheit gemeint? Das Manjusha ist ein besonderer Ort aber es ist Mahamudras Ort und das sollte jeder wissen.
Wirkliche Freiheit sehe ICH anders.
(21)
                                               INTERNET

 

In einer e-mail äußert sich ein Kommune-Mitglied, das als Arzt in einem Krankenhaus tätig ist (!!!) noch deutlicher. Auf die Anfrage, ob unser Sohn, der sich seit Anfang 2005 in dieser Kommune aufhält, vielleicht Hilfe bräuchte, erhielten wir folgende Antwort:

Ja, ich bin Arzt. Approbiert und promoviert und jeden Tag versuche ich, dazuzulernen und diesem Beruf mehr gerecht zu werden . . . ja vielleicht braucht dein Sohn Hilfe (ist doch ein Zeichen von Größe, wenn man es schaffl um Hilfe zu bitten und sie auch anzunehmen). Ich finde, er ist bei Mahamudra an der kompetentesten Stelle, viel besser als alle Ärzte, Psychiater, Psychologen oder sonstigen Heilkundigen, die ich in meinen Studien- und Berufsjahren kennen gelernt habe.

 

4.5 Wie weiter im Osho-Manjusha

Während der Niederschrift dieser Broschüre erreichte uns die Nachricht vom Ableben der Mahamudra. Der nachstehend abgedruckte Sondernewsletter lässt uns nicht daran zweifeln, dass Mahamudra im Osho-Manjusha-Meditationszentrum nachhaltige Spuren hinterlassen hat.

Mahamudra hat ihren Körper verlassen. Mahamudra, unsere spirituelle Meisterin, Gründerin und Leiterin des Osho Manjusha Meditations- Zentrums hat am gestrigen Abend gegen neun Uhr dreißig ihren Körper verlassen. Sie ging in aller Stille im Beisein von Dharma Param, ihrem Lebensgefährten, Navyo und Prem Toshi. Bis zuletzt hat sie ihre Liebe und ihr Bewusstsein mit uns geteilt. Wir stehen vor ihrem verlassenen Körper und ringen um Verständnis, während sich im Inneren eine wortlose Dankbarkeit ausbreitet über soviel Liebe, Bewusstsein, Glück und Lebensfreude, die wir mit ihr erleben durften. Namasté. Es war eine unbeschreibliche Reise, auf der wir Mahamudras Freunde und Weggefährten sein durften. Wir haben gemeinsam mit ihr, besonders in den vergangenen Wochen und Monaten, große Höhen und Tiefen erlebt. Es ist nicht zu Ende, doch ihre Präsenz ist nun eine andere. Jetzt und gerade jetzt geht das Leben für uns weiter, es gibt viel zu tun und es drängt uns, in ihrem Sinne weiter an dem zu arbeiten, was ihr das Wichtigste ist. Schmerzlich werden wir sie vermissen, doch unser Schmerz und unsere Tränen können helfen, all die Samenkörner, die sie uns gegeben hat, wachsen und aufblühen zu lassen und ihr so die Ehre zu erweisen. Ihre Kommune und viele ihrer Freunde haben sich von Mahamudra verabschiedet, am heutigen Abend wird es auf unserem Platz eine Celebration mit Osho Songs und großem Lagerfeuer geben. Den Zeitpunkt der offiziellen Feierlichkeiten geben wir so schnell als möglich bekannt. Ganz herzlich laden wir euch alle, die ihr ihre lieben Freunde und Begleiter seid, zu uns ein um diesen besonderen Augenblick zu feiern. Es grüßt euch in tiefer Dankbarkeit an Mahamudra und im Namen ihrer Töchter Vismay und Surabhi, ihres Lebensgefährten Dharma und der ganzen Osho Manjusha Kommune, Sw. Prem Toshi(22)

 

Wir werden uns deshalb in einem 2. Teil dieser Broschüre vor allem mit den Themen Meditation, Bewusstseinsarbeit und Transformation, dem systematische Einsatz von Überredungs- und Überzeugungstechniken, Techniken der mentalen Programmierung, kurz gesagt mit dem Thema Bewusstseinskontrolle im Osho-Manjusha, ausführlich befassen.




ANHANG 1: RELIGIO ÜBER BHAGWAN RAJNEESH (OSHO )

 

Biographie:

Die Bhagwan-Sekte geht auf Rajneesh Chandra Mohan zurück. Er wurde 1931 in Indien geboren, studierte Philosophie, schloß, das Studium als Magister ab. 1953 hätte er seine Erleuchtung gehabt. Seit 1969 scharte er Jünger um sich, seit 1971 nannte sich der Guru Bhagwan, der Erleuchtete und 1974 zog er mit seinen Jüngern nach Poona, ca. 261 km südöstlich von Bombay, wo er einen Ashram gründete. Zwischen 1974 und 1980 strömten ca. 250000 intellektuelle Aussteiger aus westlichen Ländern (vor allem junge Frauen) nach Poona, um sich von ihm erleuchten zu lassen und seinem Rajneeshismus zu folgen. 1981 flüchtete er vor der indischen Steuerfahndung in die USA, wo er in Oregon einen ganzen Landstrich gekauft hatte. 1985 mußte er die USA verlassen, sein Imperium zerbrach. Er erklärte den Rajneeshismus für beendet. 1989 starb Bhagwan. Seitdem firmiert die Sekte unter dem Namen Osho-Bewegung.

 

Lehre

Die Grundlage der Lehre ist eine Erfahrungstheologie. Die Wirklichkeit kann man nur erfahren. Diese Wirklichkeit wird als Zustand der Gedankenlosigkeit, der absoluten Leere verstanden. Bhagwan nimmt hier den buddhistischen Nirvana-Gedanken auf. Nur wer es schaffe, ein völlig leeres Gefäß zu werden, dem werde die Glückseligkeit zuteil. Da dieser Zustand der Leere vom normalen Menschen nicht ohne weiteres zu erreichen sei, bot er sich als Hebamme an, den Suchenden zu dieser Erfahrung zu verhelfen. Dazu verlangte er völlige Unterordnung unter seinen Willen, strenge Kleidungsvorschriften (rote Kleidung und die Mala, einer Holzkette mit dem Bild des Meisters) und die Aufgabe des gesamten bisherigen Lebens. Totale Abhängigkeit war das Ziel seiner Lehre. Wer bist Du, daß Du wissen könntest, was richtig oder falsch ist?

 

 Auswirkungen

Uli Grandtner, Sektenreport, München 1993, 5. 71ff. schreibt: Die Folgen der praktizierten Lehre des Bhagwan sind psychische Veränderungen ungeheuerlichen Ausmaßes bei den Anhängern. Es gibt ehemalige Sanyassins, die von einem Experimentierfeld für Menschenversuche sprechen. Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack nennt solche Persönlichkeitsveränderungen durch Jugendsekten Psychomutationen. Hierbei wird ein Mensch durch völlige Loslösung von seinem bisherigen sozialen Umfeld total verunsichert und bekommt dann von der Sekte eine neue Identität. Dabei entstehen euphorische Gefühle - man gehört ja immerhin zu den vom Guru Erretteten.

Oft wird durch Schlafentzug und Ernährungsumstellung die physische Abwehrkraft der Mitglieder soweit gesenkt, daß unabhängiges Denken gar nicht mehr möglich ist. All diese Vorgänge können nach Berichten ehemaliger Sanyassins auch der Bhagwan­Bewegung zugerechnet werden.

Deutlich ist die Einschätzung der Osho-Bewegung in einem Urteil des OVG Münster, in dem es um die Äußerung eines Oberbürgermeisters ging, diese Sekte sei ein destruktiver Kult (OVG Münster, NV­wZ 1991, 5. 176ff.) Das Gericht wertete diese Aeußerung als zulässiges und rechtmäßiges Werturteil und griff zur Begründung auf Thesen des Sektengründers Bhagwan Rajneesh zurück. Zunächst betont das Gericht, der Kult sei auch nach dem Tod Bhagwans maßgeblich auf den Gründer ausgerichtet, dessen Aussagen seien der Osho-Bewegung auch zuzurechnen. Dann werden Zitate Bhagwans angeführt (a.a.O. 5. 178f.). Darin, so das Gericht, seien Äußerungen des Osho Rajneesh zu den Themen Ehe und Familie sowie menschliches Leben und dessen Würde enthalten, die abwertende Beurteilungen seiner Religion stützen. Diese Zitate sieht das Gericht im Gegensatz zur Werteordnung des Grundgesetzes.

Im Folgenden seien einige dieser Zitate aufgeführt: Die Familie wird als Quelle aller möglichen Geisteskrankheiten ... bezeichnet (a.a.O. unter Bezugnahme auf einen Vortrag Bhagwans vom 13.12.1980). Zum Thema menschliches Leben fasst das Gericht die Einstellung Bhagwans wie folgt zusammen: Insbesondere dem werdenden Leben wird jede Schutzwürdigkeit abgesprochen; es wird geradezu zu seiner Vernichtung aufgefordert, indem für eine Belohnung der Abtreibung plädiert wird (a.a.O. unter Bezug auf den Vortrag des Bhagwan vom 13.12.1980 und eine Weltpressekonferenz vom 20.7.1985). Problematisch sind auch die Aeußerungen zur Zeugung menschlichen Lebens („...besser die Geburt eines Kindes demReagenzglas überlassen . wo wir... auswählen können“). Es wird das Retten von Waisenkindern vor dem Hungertod mit Verbrechen in Zusammenhang gebracht (Bezeichnung von Mutter Theresa als Verbrecher in der Weltpressekonferenz vom 20.7.1985). Die Juden werden als nicht bemitleidenswert angesehen, denn sie seien für ihre Leiden verantwortlich. Durch die Erklärung zum auserwählten Volk hätten sie die lange Reihe von Leiden, Elend, Mord, Konzentrationslagern und Gaskammern herbeigführt (Rajneesh-Bible, S. 301). (a.a.O. 5. 176- 178)

All diese Aussagen waren für das OVG Münster Anlaß, die Bezeichnung destruktiver Kult für die Bhagwan-Osho-Bewegung als zulässig anzusehen.

Vor dem Hintergrund dieser Zitate und dem gesamten Erscheinungsbild dieses Kults kann nicht eindringlich genug vor der Bhagwan-Osho-Bewegung gewarnt werden.(23)



ANHANG 2: BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN

 

Esoterik bezeichnet seit der Antike ein religiöses Geheimwissen, welches nur einem inneren Kreis von Eingeweihten zugänglich ist. Der Name leitet sich aus dem griechischen Adjektiv esöterikös ab, das mit zum inneren Kreis gehörig übersetzt werden kann. Heute wird der Begriff Esoterik im Sinne einer Weltsicht oder Geisteshaltung verstanden die sehr viele Lehren und Schulen umfasst, auch okkulte und magische Praktiken und Vorstellungen. Esoteriker übersetzen den Begriff auch mit nach innen gerichtet und meinen damit alles was die Seele des Menschen betrifft. Die Esoterik ist heutzutage ein Sammelbegriff für weltanschauliche Strömungen, die Elemente der Spiritualität, der Astrologie, des Okkultismus etc. mit einbeziehen und ist als Ausdruck individueller Spiritualität gesellschaftlich teilweise akzeptiert.

 

Guru In der religiösen Tradition Indiens gilt der Guru als spiritueller Meister. Er geht seinen Weg für sich und wirbt nicht dafür. Aufgrund seiner eigenen spirituellen Entwicklung kann er jedoch auch Schüler auf seinen Weg führen. Vor allem seit den 70er Jahren traten im Westen dagegen missionierende Gurus auf. Diese westlich orientierten Meister werden auch in Indien vielfach kritisiert, da sie in vielem nicht dem klassischen Guru-Ideal entsprechen.

 

Manipulation Unter Manipulation verstehen wir, dass die Sachinformation einseitig und tendenziös, die Selbstdarstellung (der Gruppe) darauf gerichtet ist, bei dem Betroffenen eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

 

Meditation Unter Meditation kann man jede absichtslose Konzentration auf eine Tätigkeit oder einen Gegenstand verstehen. Die Konzentration wird dabei nicht durch den Verstand gesteuert, sondern ergibt sich als Folge der Versenkung. Die Tätigkeit kann aktiv manipulierend sein. Wesentlich ist in jedem Fall ein Zustand der entspannten Aufmerksamkeit, förderlich ist eine Umgebung ohne Störreize, bzw. die Fähigkeit, seine Sinne ruhen zu lassen. Der Begriff Meditation wird als Beschreibung eines Zustands und auch als eine Technik des Meditierens benutzt. Der Zustand, der erreicht werden soll, kann je nach Art der Meditation recht unterschiedlich sein. Insbesondere bei einigen Varianten der aktiven Meditation ist er kaum von den Begriffen Trance und Ekstase abzugrenzen. Der Gegenstand der Meditation kann beinahe beliebig sein, so dass auch Musizieren oder sogar einfache, d. h. nicht Aufmerksamkeit fordernde Arbeiten auf meditative Art ausgeführt werden können. Einige der bekanntesten Meditationstechniken beziehen sich auf den Atem, die Beobachtung des Atems (Zen Meditationstechniken, Yoga). Andere wiederum, wie in der christlichen Tradition verankerte, auf das Gehen (z.B. Sankt-Jakobsweg in Spanien) oder das Arbeiten (ora et labora). Eine Meditationstechnik kann allein oder in einer Gruppe unter Anleitung durchgeführt werden. Meditation ist wesentlicher Bestandteil vieler Religionen, in denen das SichVersenken als Übung zur Annäherung an ein höheres Wesen (Gott) oder einen höheren Bewusstseinszustand verstanden wird. Dabei ist es allerdings recht unterschledlich, ob eine stille, passive Form oder eine aktive gewählt wird.

 

Sannyas Entsagung oder Freiheit von allem.

 

Sannyasin Ein religiöser Hindu in der letzten Phase seines Lebens, der sich in entsagungsvoller Askese auf den Tod vorbereitet; verwendet auch zur Bezeichnung eines heiligen Menschen, der der Welt entsagt hat; Osho (Rajneesh) verwendete den Begriff Neo-Sannyasin für seine Jünger. Sie sollten zunächst ihr Ego ihren Verstand und die Bindungen an Familie, Beruf und Gesellschaft hinter sich lassen, später auch Besitztümer.

 

Psychomarkt Neben der etablierten Psychotherapie gibt es eine alternative Psychoszene. Seit den 80er Jahren werden die Angebote zunehmend mit religiösen, magischen oder esoterischen Vorstellungen vermischt, insofern eine Gesamtschau des Lebens und der Natur vermittelt wird. Die Szene, die auch Freizeitangebote und Managementschulung mit Therapie verbindet, organisiert sich marktorientiert nach Angebot und Nachfrage. Es gibt daneben jedoch auch Gruppen mit einer psychologischen, besser psychologistischen Ideologie, die den Charakter einer Heilslehre annehmen kann.



ANHANG 3: CHECKLISTE SEKTEN/PSYCHOGRUPPEN BAYERISCHES LANDESJUGENDAMT

 

Versprechungen

0 Man verspricht mir Liebe und Verständnis, Reichtum, Glück, Erfolg, Gesundheit und Heilung, spirituelle Erfahrungen oder Erleuchtung, Errettung oder Erlösung, wenn ich mich der Gruppe anschließe oder bestimmte Kurse der Gruppe besuche.

o Ich kann ein völlig neuer, besserer Mensch werden. Ich kann mit Hilfe der Gruppe alle meine Probleme und möglicherweise die der ganzen Welt lösen. Mein Leben wird sich vollständig ändern.

o Man sagt mir, dass ich genau diese Gruppe brauche, um all die Dinge, die ich erreichen möchte, zu schaffen.

o Die Gruppe bietet einfache Erklärungen für alle wichtigen Lebensbereiche und Probleme.

o Obwohl ich das Gefühl habe, dass von der Gruppe eine unerklärliche Anziehungskraft ausgeht, bin ich mir sicher, dass ich alles selbst entscheiden kann.

 

Gruppenstruktur

o Die Mitglieder/Mitarbeiter der Gruppe oder des Anbieters sind ausgesprochen nett zu mir, sie gehen auf mich ein, wie ich es mir schon immer von anderen Menschen gewünscht habe. Mindestens ein Mitglied der Gruppe ist immer in meiner Nähe.

o Die Mitglieder der Gruppe halten stark zusammen und heben sich möglicherweise durch eine besondere Sprache, besondere Begriffe, die nur innerhalb der Gruppe so verwendet werden von anderen ab. Vielleicht erhalten die Mitglieder auch einen neuen Namen.

o Die Gruppe fühlt sich als Elite, als Vorreiter einer neuen Epoche. Nur Gruppenmitglieder werden einer nahenden Bedrohung entkommen.

o Kinder und Jugendliche haben in der Ideologie der Gruppe eine besondere Funktion.

o Die Gruppeninteressen kommen vor den In­teressen des Einzelnen. Ich muss viele Aufgaben für die Gruppe übernehmen, Kurse besuchen, Mitglieder werben, Bücher verkaufen usw. Private soziale Absicherung ist nicht wichtig.

o Wenn der Gruppenführer es mir befiehlt, darf ich auch gesetzwidrige Taten begehen. Indem ich das mache zeige ich meine besondere Loyalität bzw. meine Glaubensstärke.


Methoden

o Nur diese Gruppe bzw. dieser Anbieter hat angeblich die richtigen Methoden, mit denen ich weiterkomme. Sie sind rational oder mit herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden nicht erklärbar.

o Was innerhalb der Gruppe eigentlich passiert, kann man nicht erklären, sondern muss man selbst erleben. Deshalb soll ich am besten gleich mitkommen und mir ein eigenes Urteil bilden.

o Auf dem Weg zur Erlösung oder der Beseitigung meiner Probleme werden mir sonderbare Dinge abverlangt. Geheimnisvolle religiöse oder psychologische Übungen werden benutzt, um besondere Bewusstseinszustände zu erreichen (Ekstase, Ergriffensein, Aufhebung des Selbstgefühls, ausgefallene spirituelle Erlebnisse)

o Ich soll mein Leben so umstellen, dass ich möglichst viel Zeit in der Gruppe verbringe. Kontakte zu möglichen Kritikern, auch zu Familienangehörigen oder früheren Freunden soll ich abbrechen, sie stören mich auf meinem Weg.

o Es gibt Regeln oder Rituale für Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Beziehungen und Sexualität oder sogar für die gesamte Tagesgestaltung.

o In Einzelgesprächen und bei Gruppenveranstaltungen merke ich, dass alle Gruppenmitglieder identische Ansichten über sämtliche Aspekte des Lebens haben. Da sogar der Wortlaut der Aussagen übereinstimmt, habe ich manchmal den Verdacht, es findet eine Art Indoktrination statt.

0

Zentrale Führungspersönlichkeit

o In der Gruppe gibt es eine Führungspersönlichkeit, die durch besondere Erfahrungen, Eingebung, Erleuchtung oder geheimnisvolle Kräfte besonderes Wissen und Macht über die Welt und den Menschen hat. Aufgrund ihres besonderen Status sind Zweifel, Kritik oder ein Hinterfragen nicht gestattet.

 

Umgang mit Kritik

o Wenn jemand sich negativ über die Gruppe äußert, werden dessen Argumente als Zeichen der Unwissenheit oder als feindliche Absicht interpretiert. An der Gruppierung gibt es nichts zu kritisieren.

o Stellt sich der Erfolg nicht wie versprochen ein, liegt es an mir. Ich habe nicht alle Regeln befolgt, habe vielleicht gezweifelt oder mich zu wenig bemüht.

o Wenn ich mich von der Gruppe lösen will, werde ich massiv unter Druck gesetzt oder auf subtile andere Art überzeugt, dass ich bleiben muss.

 

Haben Sie eine oder meherer Aussagen angekreuzt ?

o Ja

o Nein

 

Bei Ja

Bei der betreffenden Gruppe oder dem Anbieter ist Vorsicht geboten. Erkundigen Sie sich bei Fachleuten über die Gruppe.

Bei Nein

Die Gruppe, mit der Sie es zu tun haben, scheint unbedenklich zu sein. Sollten Sie weitere Fragen haben, erkundigen Sie sich auch bei Fachleuten.



QUELLENVERZEICHNIS

Bärbel Schwertfeger: Der Griff nach der Psyche, Campus-Verlag 1998

Margaret Thaler/Janja Singer: Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können, Auer 1997

Hand buch Religiöse Gemeinschaften, Güterslo­her Verlagshaus 1993

Hauke Messerschmidt (Mahamudra): Die leere Straße gehen, Eigenverlag 1997

Internetseite des Osho-Manjusha- Meditati­onszentrums, Stand 04.06.2006
http: //www. oshomanjusha . de/

Steven Hassan: Ausbruch aus dem Bann der Sekten Rowohlt 1993

Wikipedia http://de.wikipedia.org/ wiki/Hauptseite

Friedmann Schulz von Thun: Miteinander Re­den 1 — Störungen und Klärungen, Rowohlt 2006


Satz: Winfried Müller
Covergestaltung: Falk Müller

©VIKAS


(1) dt.: Schatztruhe, Schmuckkästlein, abgeleitet vom Sanskrit­wort mani ( Juwel, Edelstein, Schmuck)

(2) Sannyas, Sannyasin, (sanskrit) bedeutet ursprünglich Wahr­heitssucher oder Entsagender, wird aber nach philologischem Be­fund im westlichen Sprachgebrauch ausschließlich als Bezeichnung für die Anhänger von Bhagwan Shree Rajneesh (Osho Raj­neesh) verwendet.

(3) Mahamudra (sanskrit) für Großes Siege!, im 11. Jh. aufgekom­menes esoterisch-philosophisches Lehr- und Meditationssystem. Als Personenbezeichnung nur im Kontext von Osho gebräuchlich.

(4) Rajneesh <Bhagwan>: Das Orangene Buch. Köln: Ed. Osho, 2003 :

(5) Hauke Messerschmidt (Mahamudra): Die leere Straße gehen. Eigenverlag, 1997 S.11

(6) Selbstbezeichnung der initiierten Anhänger der Osho-, (Bhagwan- oder Rajneesh-) Bewegung.

(7) Schwertfeger, Bärbel : Der Griff nach der Psyche. Frank­furt/Main; New York: Campus-Verl., 1998 S.38

(8) Margaret Thaler Singer / Janja Lalich: Sekten. Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme, Verl., 1997 S. 91

(9) vgl. hierzu: Schwertfeger, Bärbel: Der Griff nach der Psyche. Frankfurt/Main; New York: Campus-Verlag, 1998

(10) vgl. Singer, a.a.O. 5. 228— 230.

(11) http://www.oshomanjusha.de

(12) Singer, a.a.O. S. 34

(13) http: //www . oshomanjusha . de/ Stand: 04.06. 2006

(14) http: //www.oshomanjusha .de/de/ww_mahamudra/ indexf . htm Stand: 04.06.2006

(15) vgl. hierzu: Hauke Messerschmidt (Mahmudra): Die leere Straße gehen. Schmiedeberg: Eigenverlag, 1997, S. 5

(16) http://www.oshomanjusha.de/de/ww_mahamudra/index_f.htm; Stand: 04.06.2006

(17) Hauke Messerschmidt (Mahmudra): Die leere Straße gehen. Schmiedeberg: Eigenverlag, 1997

(18) Messerschmidt, Hauke, a.a.O.S.25

(19) Messerschmidt, Hauke, a.a.O.S.26

(20) http://www.oshomanjusha.de/ Stand: 04.06.2006

(21) Der Autor ist dem Verfasser bekannt

(22) Osho Manjusha Newsletter, Sonderausgabe vom 18. Mai 2006 http: //www.oshomanjusha .de/wwnewsletter/ archiv/mahamudra . htm

(23) http: //www. religio . de/indien/bhagwan/ bhagwan . html